Geschichte der Division

DAS JAHR 1939

Im Zeitraum vom 26. August 1939 bis zum 01. September 1939 wurde die 260. Infanteriedivision während des Mobilmachungsabschnittes 1939 / 1940 als Division der 4. Welle in Ludwigsburg in der Marstall-Kaserne aufgestellt. Die Soldaten kamen zu zwei Dritteln aus Württemberg und zu einem Drittel aus dem Sudetenland (Anm. des Autors: so wie mein Großvater) und Nordbayern.

Die Division zählte Mitte März 1940 also 491 Offiziere, 99 Beamte, 2.165 Unteroffiziere und 12.264 Soldaten und hatte damit eine Gesamtstärke von 15.019 Mann. Der aus Ulm stammende Generalleutnant Hans Schmidt wurde der erste Kommandeur dieses baden-württembergischen Großverbandes. Sein Tagesbefehl vom 01.September 1939 zur Kommandoübernahme lautete wie folgt:

„Mit dem heutigen Tage übernehme ich den Befehl über die Division. Unsere Truppenverbände sind neu zusammengestellt. Alte Kriegssoldaten, die schon vor 25 Jahren mit ihrem Leben das Vaterland tapfer verteidigt haben, stehen in Reih‘ und Glied mit der Jugend, die, davon bin ich überzeugt, ihrem Beispiel nacheifern wird. Wir werden unsere ganze Kraft einsetzen, um die Ausbildung zu vervollkommnen, damit wir in kürzester Frist jeder Aufgabe gewachsen sind. Getreu unserem Soldateneid werden wir unsere Pflicht bis zum Äußersten erfüllen.
Schmidt, Generalleutnant“

Während des Angriffs auf Polen zwischen dem 01. und 09. September 1939 verlegte die Division auf den Truppenübungsplatz Münsingen.
Der Kommandeur erhielt am 08. September 1939 beim Armeeoberkommando 7 in Calw Verlegungsbefehle für seine Division. Die 260. Infanteriedivision wurde am 09. und 10. September 1939 an die Westfront befohlen und marschierte dorthin ab.

Zwischen dem 09. September 1939 und dem 19. April 1940 lag man in Stellungen am Oberrhein beiderseits der Orte Müllheim und Neuenburg. Der Divisionsgefechtsstand befand sich in Badenweiler. Es wurden Stellungsausbau und Spähtruppunternehmen betrieben. Dabei wurde eine französische Flagge durch verwegenen Einsatz von Soldaten des Infanterieregiments 470 erbeutet. Diese Tat wurde mit den ersten Eisernen Kreuzen II. Klasse belohnt.

Am 07. Oktober sprengten französische Truppen die Eisenbahnbrücke bei Neuenburg. In einem Tagebuch das im Besitz des Neuenburger Stadtarchivs ist wird über diese Zerstörung berichtet:

„An der Front ist es immer noch ruhig und jeder geht friedlich seiner Arbeit nach. Da an einem Morgen, die Einwohner waren zum Teil noch im Bett, eine starke Detonation, eine Erschütterung. Was mag wohl geschehen sein? Es geht von Mund zu Mund. Die Franzosen haben die Eisenbahnbrücke gesprengt. Wir haben immer etwas mit Grauen an diese Sprengung gedacht und mussten staunen, dass uns dieser Schreckenstag, der 07. Oktober 1939, so wenig Schaden, ja nicht einmal eine zerbrochene Fensterscheibe zugefügt hat.“

DAS JAHR 1940

Ab dem 07. Januar 1940 war mein Großvater Angehöriger der 1. Kompanie des Infanterieregiments 480.

Bei einem französischen Feuerüberfall bei Neuenburg auf Stellungen des II. Bataillons, Infanterieregiment 470 am 08. Januar 1940 fiel der Arbeitsmann Eberle einer Baueinheit durch einen Kopfschuss. Er war der erste Gefallene der Division.

Am 29. Januar 1940 wurde mein Großvater zur 7. Kompanie des Infanterieregiments 480 versetzt. Während des Zeitraums vom 20. April 1940 bis zum 20. Mai 1940 wurde die Division im Operationsgebiet der Westfront verwendet.

Man betrieb Ausbildung im Raum Villingen, Nachtmärsche nach Tübingen und Eisenbahnverladung nach Reutlingen, Metzingen und Kirchentellinsfurt. In Reutlingen waren Teile des Divisionsstabes in der Ypernkaserne untergebracht. Die Soldaten der 260. Infanteriedivision fühlen sich vom Krieg vergessen. Der Landserhumor sprach von der „Wach- und Schließgesellschaft Südwestecke Reich“. Am Ostersamstag 1940 begann die Ablösung am Oberrhein durch die 556. Infanteriedivision unter Generalmajor von Berg. Kampfhandlungen waren ab sofort verboten, um die Ablösung nicht zu gefährden.

Als französische Truppen die Ablösung bemerkten, wurde dem Infanterieregiment 460 ein letzter Spähtrupp genehmigt. Eine stake Gefechtsaufklärung unter der Führung von Leutnant Widmann war in der Lage 3 Franzosen gefangen zu nehmen. Leutnant Widmann fiel bei diesem Unternehmen und war damit der erste Gefallene in Feindesland! Bis zum 19.04. war der Fronabschnitt am Oberrhein vollständig übergeben.

Ende April wurde das Pionierbataillon 260 als Heerestruppe abgegeben und das Pionierbataillon 653 aus Stettin – Podejuch trat der Division bei.

Gemeinsam mit der 298. Infanteriedivision und 162. Infanteriedivision bildete die 260. Division nun das XXXXII. Armeekorps unter General der Artillerie Hermann Ritter von Speck (Anm. des Autors: Der erste gefallene General der Wehrmacht im zweiten Weltkrieg).

Nach Ausladung der Einheiten in der Eifel (in Erdorf und Bitburg zwischen dem 21. und 23.Mai 1940) verlegten die Truppen im Eilmarsch und marschierten bei Dasburg in Luxemburg ein. Es erfolgte der Vormarsch durch Luxemburg über Dasburg – Clerf (23.-25.Mai) – Allerborn. Der Durchmarsch durch Belgien ging über Our – Graide – Louette St.Pierre – Willerzie. Der König von Belgien kapitulierte am 28. Mai 1940.

DER FRANKREICHFELDZUG

Die Division hielt vor dem Maasübergang bei Monthermé und wurde am 29. Mai dem XIII. Armeekorps unter General der Infanterie von Vietinghoff als Korpsreserve unterstellt. Damit gehörte die 260. Infanteriedivision nun der 12. Armee (Generaloberst List) an. Nun änderte sich die Stoßrichtung von Westen nach Süden. Am darauf folgenden Tag, dem 31. Mai 1940, wurde das „Hörnle“ offiziell zum Divisionswappen.

Während des Zeitraums vom 01. Juni 1940 bis zum  08. Juni 1940 begann der Aufmarsch nördlich der Aisne. Die Division überschritt die Maas bei Monthermé und erreichte in der Nacht vom 02. auf den 03. Juni als Reserve den Raum südwestlich von Signy l’Abbaye. Der Divisionsgefechtsstand befand sich in einem Schloss bei Lonny. Der Übergang über die Aisne wurde bei Rethel vorbereitet. Das Artillerieregiment 260 (ohne die II. Abteilung) und das Pionierbataillon 653 unter Führung von Major Reinicke wurden der 17. Infanteriedivision zur Unterstützung des Angriffs und zur Schaffung des Brückenkopfes bei Château-Porcien nahe Rethel unterstellt.
Die II. Abteilung des Artillerieregimentes 260 war der ebenfalls in diesem Raum eingesetzten 21. Infanteriedivision unterstellt. Die Soldaten kämpften mit der Hitze, es gab wenig Wasser, dafür aber Wein, Sekt und Champagner in Hülle und Fülle.

Zwischen dem 09. und 13. Juni 1940 fand die Durchbruchsschlacht durch die französische Aisne-Front statt. Die Division hatte große Verluste zu beklagen. Ein gewaltsamer Übergang über die Aisne und den Kanal wurde unter schwierigsten Bedingungen bei Château-Porcien und Rethel am 09.06.1940 erzwungen.

Die Aufklärungsabteilung 260 kämpfte um Machault und erzwang den Durchbruch am Suippeabschnitt. Der Divisionsstab verlegte in das Schloss Arnicourt.
Am 11.06. kam es zu einem kurzen, schweren Gefecht der Aufklärungsabteilung 260 um Machault.

In der Zeit zwischen dem 14. und 25. Juni 1940 nahm die Division an Verfolgungskämpfen durch die Champagne teil: von Givry und Revigny über den Rhein-Marne-Kanal, beiderseits Côte d’Or über das Plateau von Langres nach Dijon (Nuits St.Georges – Beaune – Chagny).
Am 21.Juni fand eine Parade mit Vorbeimarsch am Divisionskommandeur in Dijon statt, am 22. Juni wurde der Waffenstillstand offiziell verkündet.

Zwischen dem 26. Juni 1940 und dem 02. Juli 1940 besetzte die Division die Stadt Dijon. Sie war mit der Sicherung der Demarkationslinie von Bourbon-Lancy an der Loire über Paray le Monial am Canal du Centre – Montchanin – Châlons-sur-Sâone – Chaussin beauftragt. Der Divisionsgefechtsstand befand sich im Château de la Verrerie in Le Creusot.

Das XIII. Armeekorps wurde nach Belgien verlegt, neue vorgesetzte Dienststelle wurde am 30. Juni das XXV. Armeekorps unterstellt. Dessen Kommandeur war General der Infanterie Ritter von Prager.

Die Division wurde im Zeitraum 03. Juli 1940 bis 11. September 1940 als Besatzungstruppe in Frankreich im Raum Belfort (Divisionsgefechtsstand in der alten Festung) – Montbeliard – Delle (an der Schweizer Grenze) – Morvillars eingesetzt.

In dieser Zeit wurde die Division ständig in Übung gehalten. Am 24. August wird die 260. Infanteriedivision dem XVIII. Armeekorps unterstellt. Das Korps wurde von General der Gebirgstruppe Franz Böhme geführt

Seit dem 12. September 1940 war man als Besatzungstruppe im Raum Le Creusot – Autun eingesetzt. Der Divisionsstab befand sich im Schloss Schneider. Es wurde ständig Ausbildung der Truppen durchgeführt. Durch die zahlreichen Gefechtsübungen in Gebieten mit Bewuchs erhielt die Division den Spitznamen „Heckenschleicher-Division“. Seit dem 01.10.1940 war mein Großvater Angehöriger der 10. Kompanie des Infanterieregiments 480.

DAS JAHR 1941

Ab dem 04. Mai 1941 war Urlaubssperre befohlen, am 22. Juni 1941 traf dann ein schicksalhafter Funkspruch beim Armeeoberkommando 1 ein:

„Die 260. Infanteriedivision wird an die Ostfront verlegt“. An diesem Tag begann die Operation „Barbarossa“ – der deutsche Einmarsch in die Sowjetunion. Zwischen dem 30. Juni 1941 und dem 03. Juli 1941 wurde die 260. Infanteriedivision aus dem Raum Le Creusot abtransportiert, die 215. Infanteriedivision übernahm den Abschnitt.

Es ging nun per Eisenbahntransport von Frankreich über Deutschland nach Polen.

Die ersten Transportzüge der Division hatten am 03.07. bereits die Grenze zu Polen überschritten und erreichten Siedlce, wenige Kilometer westlich des Flusses Bug. Die Ausladung fand in Mordy, nahe der Stadt Siedlce statt. Es folgte ein Marsch an die russische Grenze bis nördlich Brest-Litowsk in den Sammelraum Wysokie Litowskie verlegt. Dort war man am 06.07.1941 geschlossen versammelt. Hier musste auch der erste Divisionsangehörige bestattet werden: Gefreiter Laub von der 12. / Infanterieregiment 460 war tödlich gestürzt.

BARBAROSSA – EINMARSCH IN DIE SOWJETUNION

Am 07. Juli 1941 marschierte die Division in 3 Marschgruppen mit Tagesziel Zawecze ab.
Am darauffolgenden Tag befand sich der Gefechtsstand in Pruzana. Ein Offizier des Infanterieregiments 460 berichtet:
„Nach der Rast hinter Bereza-Kartuska Einbiegen in Rollbahn  I, dass ist die große Straße von Brest nach Moskau. Die Straße ist kilometerweise schnurgerade, aber stellenweise sehr schlecht, ganz ausgefahren. Es herrscht unheimlicher Verkehr.
Fernlastzüge vor und zurück, OKH-Wagen und alles Mögliche. Nachmittags die ersten Gefangenentransporte gesehen. Landschaftlich immer das gleiche Bild: weite Ebenen, Roggenfelder mit wenigen, vereinzelt liegenden Gehöften, dazwischen Wälder, einzelne alte Windmühlen. Die Sonne brennt erbarmungslos auf uns nieder. Alles ist weiß vom Staub. Verstaubte, dunkle Gesichter mit hohlen Augen. Auf der Vormarschstraße liegen sehr viele zerschossene Panzerwagen, vereinzelt liegen Geschütze da, viele Bomben- und Granattrichter beiderseits. Truppe und Pferde sind sichtlich am Ende und vor dem Zusammenbrechen…“

Die Marschgruppen marschierten weiter bis Baranowice, dort wurde ein Tag Rast befohlen. Am 13. Juli 1941 wurde die Division dem XXXXIII. Armeekorps unter der Führung des Generals der Infanterie Heinrici unterstellt. Damit war man Verbindungsglied zwischen den Heeresgruppen Mitte und Süd und gleichzeitig als Flankenschutz für die 2. Armee unter Generaloberst Freiherr von Weichs eingesetzt.

Der rasante Angriffsschwung der ersten drei Wochen des Feldzuges zeigte, dass man sehr weit nach Osten vorgedrungen war, die im Süden eingesetzten Kräfte aber durch die Pripjet-Sümpfe gebremst wurden. Der täglich länger werdende Südflügel der Heeresgruppe Mitte musst geschützt werden.

Diese brenzlige Lage zeigte sich zum Beispiel, als die Division eine Kampfgruppe –  bestehend aus dem III. Bataillon des Infanterieregiments 470 unter Major Dr. Schütz, verstärkt durch eine Panzerjäger- eine Pionierkompanie – in den Raum Sluzk vorwerfen musste weil versprengte sowjetischer Kräfte mit leichten Panzern und Artillerie gegen die Straße Bobruisk – Sluzk vorgingen.

Während die Division mit 4 Marschgruppen (Oberst Wenninger, Oberstleutnant Hahm, Oberstleutnant Lindner und Oberstleutnant Glaesemer) von Sluzk aus weiter nach Nordosten marschierten wurde die Rollbahn durch Pioniere des Pionierbataillons 653 weiter ausgebaut.
Die Kampfgruppe Schütz lieferte sich Gefechte im Waldgebiet bei Lubany, zerstörte einen Gefechtsstand und brachte dabei 98 Gefangene ein. Am 18. Juli war der Auftrag beendet und die Kampfgruppe kehrte zur Division zurück.

DIE SCHLACHT VON ROMANISCHTSCHE

Am 19. Juli wurde die bisherige Richtung des Vormarsches geändert: die Division drehte nach Süden in Richtung Beresowka ein. Am 20. Juli rückte man an der 131. Infanteriedivision vorbei und verlängerte so die bisherige Front nach Süden. Die 2. Kompanie der Aufklärungsabteilung 260 erhielt nachts den Auftrag in Richtung UglyRomanischtsche – Goduny aufzuklären. Der Radfahr-Zug des Wachtmeisters Lippold gelangte nach Ugly und meldete, dass der Ort feindfrei sei. Beim weiteren Vorstoß nach Romanischtsche trafen sie südlich von Moissejewka auf die ersten russischen Kräfte. Die Sowjetsoldaten setzten Maschinengewehre, Granatwerfer und leichte Panzer ein. Die Radfahrer wichen aus und gruben sich in den Wäldern südlich von Romanischtsche ein.

Nun war klar, dass die Division, deren Gefechtsstand sich mittlerweile in Saosertschino befand, in kürze mit einem Angriff starker sowjetischer Kräfte rechnen musste.

General Schmidt beabsichtigte dem Angriff zuvor zu kommen und befahl seinerseits einen Angriff der vordersten Teile (Infanterieregiment 460, II. Bataillon / Infanterieregiment 470 und das I. Bataillon / Artillerieregiment 260) um die Russen zu zerschlagen.

Die Bataillone des Infanterieregiments 460 mussten aus der Bewegung heraus ohne Feuerunterstützung antreten, da die Artillerie noch nicht heran war.

Oberstleutnant Lindner führte von seinem Gefechtsstand auf dem Friedhof von Ugly den Angriff. Der russische Gegner wehrte sich erbittert, die eigene Truppe hatte erste Verluste zu verzeichnen. Das III. Bataillon unter Führung von Major Grosser stieß am schnellsten vor und drang nach Romanischtsche ein. Um 20:20 Uhr war der Ort in der Hand der 260’er. Das Infanterieregiment 460 ging etwa einen Kilometer ostwärts von Romanischtsche in Stellung. Dort waren 8 Gefallene, 66 Verwundete und 2 Vermisste zu beklagen. Aber auch die anderen Verbände hatten Verluste zu beklagen. Ein Spähtrupp der Aufklärungsabteilung wurde vernichtet, das als Nachhut eingesetzte Infanterieregiment 480 verlor einen motorisierten Spähtrupp unter der Führung von Leutnant Reichert.

Am 21. Juli wurde der Angriff fortgesetzt um zu verhindern, dass sich die russischen Truppen zur Verteidigung einrichten konnten. Die I. Abteilung des Artillerieregiment 260 unter der Führung von Major Zirkelbach eröffnete um 04:00 Uhr das Feuer auf die gegnerischen Stellungen, danach traten Infanterieregiment 460 und 470 weiter nach Osten an. Das Infanterieregiment 470 griff den Ort Buda an.

Der Angriff gewann schnell an Fahrt und die Straße nach Gomsa wurde zügig genommen. Die russischen Kräfte wichen, ständig unter Artilleriebeschuss liegend, aus. Ein Geschütz des Artillerieregiments 260 erhielt einen Volltreffer und fiel aus. Um 09:00 Uhr drangen die Männer des Infanterieregiments 460 in Gomsa ein. Zur gleichen Zeit überwand das Infanterieregiment 470 unter Führung von Oberst Wenninger den Fluss Rudjanka. Beide Regimenter erreichten nachmittags Pestschanaja Rudnja. Das Infanterieregiment  460 richtete sich hier ein, das Infanterieregiment 470 trat weiter an und nahm Tschernin vor Einbruch der Dunkelheit.

Im heftigen Regen des 22. Juli bereitete Major Dr. Friker mit seinen Männern des I. Bataillons / Infanterieregiments 480 zusammen mit der Panzerjägerabteilung, geführt von Hauptmann Pfeiffer den Übergang über die Beresina vor. Die benachbarte 131. Infanteriedivision hatte Paritschi genommen und den Fluss ebenfalls erreicht. Die Überschreitung war für den 23. Juli vorgesehen, aber es kam zur Schlacht von Romanischtsche.

Am 28. Juli 1941 tauchten starke russische Aufklärungskräfte urplötzlich im Rücken und im Süden der Division auf (Der Divisionsgefechtsstand lag bei Moisejewka). Gepanzerte Aufklärungskräfte stießen westlich von Romanischtsche in den Rücken des Infanterieregiments 480.

Nachdem 4 Fahrzeuge durch den Radfahrzug des II. Bataillons / Infanterieregiment 480 – geführt von Leutnant Rauscher – und einen Zug der 14. Kompanie / Infanterieregiment 480 abgeschossen wurden mussten die eigenen Teile über Romanischtsche nach Gomsa ausweichen.

Durch eingesetzte Spähtrupps und Luftaufklärung wurde festgestellt, dass sich die sowjetischen Kräfte in Romanischtsche zur Verteidigung einrichteten und gepanzerte Verstärkung im Zulauf war. Die Division entschloss sich zum Gegenangriff. Der kommandierende General und der Divisionskommandeur verlegten nach Tschernin, um beim Angriff vor Ort zu sein.
Der Befehl für den 24. Juli lautete: „Infanterieregiment 480 mit unterstellter 14. Kompanie / Infanterieregiment 460 greift den Feind auf Höhe 149 und beiderseits Romanischtsche an und wirft ihn auf Ugly zurück. Infanterieregiment 470 mit unterstelltem II. Bataillon / Infanterieregiment 460 greift Dubrowa an und hält die Ortschaft.“

Die beiden anderen Bataillone des Infanterieregiments 460 verblieben südlich Rudnja zur Verfügung der Division. Eine Gefechtsaufklärung des III. Bataillons / Infanterieregiment 460 geführt von Leutnant Hieber hatte westlich Prudok die Verbindung zum Infanterieregiment 432 der 131. Infanteriedivision hergestellt.
Die Masse des Artillerieregiments 260 befand sich hinter den Regimentern 460 und 470.

Das Infanterieregiment 480 – geführt von Oberstleutnant Hahm – stellte sich am 24. Juli 1941 zum Angriff bereit. Das II. Bataillon unter Major Dr. Bracher befand sich mit der 5. Kompanie (Oberleutnant Gölz) und 6. Kompanie (Oberleutnant Probst) standen vorn, rechts dahinter lag die 7. Kompanie (Oberleutnant Rentschler). Links stand das III. Bataillon mit seinem Kommandeur Hauptmann Labrenz mit der 10. Kompanie unter Oberleutnant Söllner (hier befand sich auch mein Großvater) und der 11. Kompanie (Leutnant Schuler) in zweiter Linie.

Die 13. (Infanterie-Geschütz)-Kompanie schoss eine kurze Feuervorbereitung da keine Artillerie vor Ort war. Das II. Bataillon / Infanterieregiment 480 stieß nördlich der Straße Gomsa – Romanischtsche vor und nahm die Höhe 449. Das III. Bataillon hatte schweren Widerstand in Romanischtsche niederzukämpfen. Die 10. Kompanie (mit meinem Großvater) hatte dabei am Friedhof schwere Verluste erlitten. Durch heranrollende russische Panzerkräfte aus Westen und Südwesten geriet der Angriff mittags ins Stocken. Die im Gefechtsstreifen des II. Bataillons nachrückende 14. Kompanie (Oberleutnant Jäger) bezog sofort Stellung und nahm die Panzer unter Feuer. Im Ergebnis wurden 8. Panzer vernichtet. Der Schwerpunkt des sowjetischen Panzerangriffs richtete sich gegen das III. Bataillon, vornehmlich gegen die 10. Kompanie. Dabei fiel der Kompaniechef Oberleutnant Söllner und alle Zugführer.

Die Nachbarkompanien (9. und 11.) hielten ihre Stellungen in der Nähe des Friedhofs verbissen. Unter anderem gelang es Feldwebel Bolander von der 11. Kompanie 3 sowjetische Panzer mit der Panzerbüchse abzuschießen.

Nachdem die erste Welle der Panzer erfolgreich abgewehrt war, klaffte eine breite Lücke innerhalb des III. Bataillons die eilig durch die alarmierte Panzerjägerabteilung 260 geschlossen wurde. Noch bevor die Männer unter Hauptmann Pfeiffer ihre Geschütze gefechtsbereit gemacht hatten, rollte die zweite Welle Sowjetpanzer an. Ein Panzerjäger berichtete „…und bald war das Gelände vor Romanischtsche mit brennenden und qualmenden Panzerwracks bedeckt. Der Panzerjägerabteilung 260 war es buchstäblich in letzter Minute gelungen, den russischen Panzerdurchbruch zu verhindern. Gefangene sagten später aus, es seien 60 Panzer zum Angriff angetreten. Davon lagen nun 51 abgeschossen auf dem Gefechtsfeld.“

Die Gefechte ließen mit Einbruch der Dunkelheit nach. Das an der Beresina liegende I. Bataillon wurde zurückbefohlen. Die 1. (Leutnant Beil) und 2. Kompanie (Oberleutnant Prechtl) wurden mit Lkw nach vorn gebracht und bezogen Stellungen ostwärts von Romanischtsche. Es schien, als sein der Gegner abgewehrt; das Infanterieregiment 480 hat sich behauptet. Dieser Erfolg hatte allerdings einen sehr hohen Preis: 53 Männer des Infanterieregiment 480 waren gefallen!

Auch das nach Süden angreifende Infanterieregiment 470 traf auf hartnäckigen Widerstand. Das I. Bataillon (Oberstleutnant Voigt) und das II. Bataillon (Major Baur) nahmen Dubrowa und gelangte an eine Linie Dobrowka – Saraschje – Welikije Bor. Das III. Bataillon des Infanterieregiment 470 (Major Dr. Schütz) wurde beim Vormarsch von Panzern angegriffen und bei Wjashny eingeschlossen. Da es nicht möglich war, sich freizukämpfen wurde das III. Bataillon im Lkw-Marsch dorthin befohlen. Die Lage beim Infanterieregiment 480 beruhigte sich, das eingeschlossene Bataillon konnte freigekämpft werden – überall richtete man sich zur Verteidigung ein. Die Kampfgruppe Oberstleutnant Lindner im Raum Gomsa stand nun von links nach rechts wie folgt: I. Bataillon / Infanterieregiment 470 (OTL Voigt) – II. Bataillon / Infanterieregiment 460 (Major Reithinger) – Rest des I. Bataillons / Infanterieregiment 480 (Major Dr. Friker).

Am 25. Juli waren die Gefechte beendet, die russischen Truppen gaben auf und wichen aus. Die 260. Infanteriedivision konnte einen Tag der Ruhe einlegen um die Stellungen zu verbessern und aufzufrischen. Die Ausfälle der Division waren immens:
33 Offiziere, davon 7 gefallen und 563 Unteroffiziere und Mannschaften, davon 85 gefallen!

Generalleutnant Schmidt erließ anlässlich der Feuertaufe der Division im Osten folgenden Tagesbefehl:
„Die Division hat trotz der vorangegangenen außergewöhnlichen Marschleistungen in den vergangenen Kampftagen mit Schwung und Tapferkeit angegriffen und unter schwierigsten Kampfbedingungen einen zähen Gegner niedergerungen. Die der Division unterstellten Aufgaben wurden voll erfüllt. An diesem Erfolg sind alle Waffengattungen ohne Ausnahme beteiligt!“

Die 260. Infanteriedivision hatte mit der Abwehr dieses Angriffs auf Romanischtsche verhindert, das das sowjetische Kavalleriekorps durchbrechen konnte. Die Sowjets wiederholten diese Angriffe nicht mehr und wichen nach Süden aus. Die Männer der Hörnledivision hatten ihren ersten Einsatz erfolgreich bestritten und wurden nun aus dem bisherigen Raum herausgelöst. Am 26. Juli 1941 begann der strapaziöse Rückmarsch in Richtung Norden. Über grundlose, schlammige Wege führte der für Menschen, Pferde und Material außerordentlich anstrengende Weg über die Rudjanka.

Der Divisionsgefechtsstand befand sich am 27.Juli in Sawitschye. Nun galt es, den Bereich zwischen der Beresina und Ptitsch zu sichern. Die Lage war unklar, da keinerlei Aufklärungsergebnisse vorlagen. Die zugewiesenen Stellungen erschienen deutlich gefährlich. Das Infanterieregiment 460 wurde in den Brennpunkt befohlen. Sein III. Bataillon befand sich in Tschernyja-Brody und wurde von einem schweren Panzerzug beschossen, der von deutscher Seite nicht bekämpft werden konnte.

Ab dem 09. August 1941 stieß die Division auf von Pionieren errichteten Pontonbrücken über die Beresina südlich Bobruisk in Richtung Shlobin vor. Linker Nachbar war die 267. Infanteriedivision, die 134. Infanteriedivision folgte der Hörnledivision. Südlich von Shlobin am Dnjepr wurde nach harter Schlacht ein Brückenkopf gebildet.

Die Infanterieregimenter 460 und 470 sowie die II. Abteilung des Artillerieregiments 260 waren der 267. Infanteriedivision unterstellt, als es ihnen gelang, den Brückenkopf bis zu einer Linie Schichowo – Skepnia – Ssuchoj – Ostrow – Os.Pagordi zu vertiefen.

Trotz weiterer herangeführter Kräfte schien es also ob der russische Kampfeswille nachlies. Vor dem hauptsächlich in Richtung Skepnia geführten Angriff wichen sie aus, hielten sich jedoch weiter in vorbereiteten Stellungen am Ostufer des Dnjepr bei Saton.

Gegen 12:00 Uhr war die Kriegsbrücke bei Streshin fertig gestellt, zunächst setzte das Infanterieregiment 470 über, gefolgt vom Infanterieregiment 460.

Das Oberkommando des LIII. (53.) Armeekorps berichtete am 13. August:
LIII. Armeekorps gelang mit 267. Infanteriedivision eine wesentliche Erweiterung des Brückenkopfes über den Dnjepr, in den bis zum Abend die Masse der 260. Infanteriedivision hinein geschoben wurde. Der Gegner setzte dem Brückenkopf erbitterten Widerstand entgegen.“

Die der 267. Infanteriedivision unterstellten Teile traten danach wieder zur Hörnledivision zurück. Am 18. August 1941 wurde die Division dem XIII Armeekorps unterstellt.
Beginnend am 19. August 1941 wurden die ausweichenden sowjetischen Truppen über Gomel bis zur Desna verfolgt.

Die 260. Infanteriedivision stieß über Gorodnya – Dubrovnoye – Tschernisch bis Kisselewka an der Desna vor. Die überwiegend aus Holzbauten bestehende Stadt Gomel wurde bei den Kämpfen restlos zerstört. Die Division marschierte dort am 22. August ein, am 28. August überschritt die Division die Grenze zur Ukraine.

Ab dem 24. August begann der Angriff des XIII. Armeekorps nach Süden mit 3 Divisionen. Generalleutnant Schmidt befahl in der Nacht zum 01. September einen Übergang über die Desna beiderseits Kisselewka (ostwärts Tschernigow) zu erzwingen. Das Infanterieregiment 470, später verstärkt durch Teile des Infanterieregiments 480 bildete den Brückenkopf beiderseits Wibli um 17:00 Uhr.

Die 5. Kompanie, Infanterieregiment 470 unter Führung von Oberleutnant Hans Helmling, war die erste Einheit im Bereich der Heeresgruppe die die Desna überschritten hatte. Während der heftigen Kämpfe um den Desna-Brückenkopf Wibli wurde der Kessel um Kiew geschlossen. Am 01. September 1941 begann auch der Kampf um die Stadt Tschernigow. Am 02. September lag stärkstes russisches Artilleriefeuer auf Wibli.

Die Lage stabilisierte sich erst am 03. September. Sowjetische Truppen griffen den Brückenkopf fünfzehn Mal an und wurden ebenso oft zurückgeworfen.
Am 05. September zogen sich die Truppen der 5. Sowjetarmee zurück. An diesem Tag wurde die Hörnledivision dem XXXXIII. Armeekorps unterstellt.

Am 09. September 1941 erreichte die Division Janowka, ein kleines Örtchen südlich von Tschernigow. Hier befand sich der südlichste Ort des Vormarsches. Am 12. September wurde die Division dem XIII. Armeekorps unterstellt. Die Kämpfe der vergangenen Tage kosteten die Division 515 Gefallene, 600 tote Pferde und über 4000 weitere Ausfälle.

Am 14. September 1941 marschierte die umgruppierte 260.Infanteriedivision über Tschernigow und Starodub (22.09.) in den Raum südostwärts von Roslawl. Generalleutnant Schmidt erhielt am 23. September in Unecha das Ritterkreuz verliehen.

Es ereigneten sich nun Verfolgungskämpfe die am 26. September bei Kiew in der größten Kesselschlacht der Geschichte endeten. Über 660.000 Sowjetsoldaten starben hier oder gerieten in Gefangenschaft weil Stalin stur an der Stadt festgehalten und eine starre Verteidigung befohlen hatte. Am 26. September 1941 kündigte auch der erste Frost den Winter an.

Zwischen dem 28. September 1941 und dem 03. Oktober 1941 stellte sich die Division zum Durchbruch durch die Stalin-Linie auf. Im Norden fand die Abwehrschlacht bei Jelnja statt. Der Durchbruch durch die obere Desna-Stellung und Bildung eines Brückenkopfes bei Star Chotmirowka folgte.

ANGRIFF AUF MOSKAU

Am 02. Oktober 1941 begann – zum Unverständnis vieler deutscher Landser noch vor dem harten russischen Winter – das „Unternehmen Taifun“, der deutsche Angriff auf Moskau.

Im Zeitraum vom 03.Oktober 1941 bis zum 11. Oktober 1941 stieß man über Bolwa und Ugra, der Flugplatz Worotynsk wurde schnell erreicht. Am 08. Oktober wurde die 260. Infanteriedivision dem Armeeoberkommando 4 (Generaloberst von Kluge) unterstellt. Die Division erhielt den Befehl zum Sturm auf die Oka-Brücken südlich von Kaluga.

Am 11.Oktober 1941 wurde die 90.000 Einwohner zählenden Stadt Kaluga an der Oka eingenommen. Die 17. Infanteriedivision drang nach mehrtägigem Kampf von Westen ein, das Infanterieregiment 470 brach (nach zweimaligem Oka-Übergang innerhalb von 24 Stunden) von Süden ein. An der Oka-Brücke am Südrand von Kaluga reichten sich Soldaten der 7. Kompanie /Infanterieregiment 21 und Männer des Infanterieregimentes 470 die Hände.

Am 13. Oktober 1941 begann dann der Vorstoß gegen Moskau über Anaschuja (Divisionsgefechtsstand am 17.10.) – Ssaschkino (nächtlicher Überfall auf Teile Infanterieregiment 470) – Petrischtschewa. Die Division musste Abdrehen nach Südosten. Russische Kräfte wurden über die Oka beiderseits der Ortschaft Alexin zurückgeworfen. Die Division befand sich im Einsatz entlang der Oka von Alexin nach Tarussa. Es fand eine Ablösung durch die 52. Infanteriedivision statt, die 260. ID führte einen Marsch in den Bereitstellungsraum beiderseits Gosteschewo (Ablösung durch 17. Infanteriedivision) zum Angriff über die Protwa durch. Rechter Nachbar war die 52. Infanteriedivision, linker Nachbar die 137. Infanteriedivision. Man erreichte die Bildung eines Brückenkopfes beiderseits Kremenki.

Am 13. Oktober setzte Rasputiza, die gefürchtete Schlammperiode ein, die ein Vorwärtskommen beinahe unmöglich machten. Die 4. sowjetische Armee erhielt den Befehl Kaluga zu nehmen, „Koste es was es wolle“. Am 22. Oktober 1941 greift das Infanterieregiment 470 Alexin an.

Am 30.10.1041 übergab die Division den Abschnitt an die 52. Infanteriedivision. – diese wurde von der 60. sibirischen Schützendivision attackiert. Es ereigneten sich heftige Kämpfe an der Protwa. Man begann mit dem Ausheben von Schützengräben im Brückenkopf Kremenki. Den Kämpfen um den Browna-Abschnitt folgten der Angriff auf Browna und dessen Einnahme am 03.11.1941. Ein 5-minütiger Feuerüberfall lag hier zu kurz, dadurch gab es eigene Verluste im Bereitstellungsraum. Trotzdem gelang ein Vorstoß bis Pawlowka (15 km westlich von Sserpuchow). Der Vormarsch endete etwa 90 Kilometer südwestlich von Moskau. Am 06.11.1941 befand sich der Divisionsgefechtsstand in Lgowo, dem östlichsten Punkt des Vormarsches.

Zwischen dem 14. November 1941 und dem 15. Dezember 1941 fand dann die Abwehrschlacht vor Moskau statt an der die Division als Teil des XIII. Korps teilnahm.
Ab dem 14.11.1941 übernahmen die sowjetischen Streitkräfte vollständig die Initiative. Einsatz an der Protwa (linker Nachbar 268. Infanteriedivision, rechter Nachbar 52. Infanteriedivision). Im Brückenkopf Kremenki toben heftige Abwehrgefechte.

Der 16. November war der Höhepunkt der Krise erreicht: Das II. / Bataillon des Infanterieregimentes 480 bestand nur noch aus 134 Soldaten, das II. Bataillon des Infanterieregimentes 470 existierte praktisch nicht mehr. Die Landser lagen ohne Winterbekleidung, ohne Handschuhe und warme Stiefel im Freien in Erdlöchern.

Am 30.11. hatte das IR 480 noch eine Gefechtsstärke von 546 Mann.
Am 14. November griffen 3 russische Schützendivisionen, eine Kavalleriedivision, eine motorisierte Brigade sowie eine halbe Panzerdivision die Stellungen der 260. ID an. Die Ausfälle durch Erfrierungen sind enorm. In den 6 Wochen zwischen dem 16. Oktober und dem 30. November verlor die Division 334 Tote, 1181 Verwundete, 50 Vermisste und 811 Kranke.

Am 15.12. zeigte das Thermometer – 31 Grad Celsius!!! Die russischen Truppen brachen an diesem Tag durch, auf deutscher Seite standen zwar 6 Divisionen die allerdings eine tatsächliche Stärke von nur 2 Divisionen hatten.

16. Dezember 1941 – 20. Dezember 1941

Die sowjetischen Angriffe brachten die Front am 16. Dezember 1941 ins Wanken. In die HKL der benachbarten 52. Infanteriedivision waren Panzer und Infanterie eingebrochen und konnten nicht mehr zurückgedrängt werden.
Die 260. ID befand sich in Abwehrkämpfen südlich der Protwa (Troitzkoje – Gosteschewo), Ein Ausweichen nach Westen wurde notwendig. Es folgte eine Verschiebung um eine Divisionsbreite nach Süden am 16. und 17.12. Jedes Regiment erhielt 150 Mann Ersatz (teilweise unbewaffnet). Am 18.12. brachen 12 T34-Panzer und 2 schwere Kampfpanzer, vermutlich KV1 durch die Hauptkampflinie und wurden abgeschossen.

Der wahnsinnige Obergefreite in Berlin befahl am 16.Dezember: „Die Truppe weicht keinen Schritt zurück!“

DAS JAHR 1942

In den vier Wochen zwischen dem 21. Dezember 1941 und dem 21. Januar 1942 fanden Abwehrgefechte zwischen Protwa und Ugra statt. Während der Rückzugskampfe bei Aulowo und Walkowo wurde das III. Bataillon des Infanterieregimentes 470 eingeschlossen, Entsatz erfolgte durch das II. Bataillon, IR 470 und die 1. Kompanie des SS-Regimentes 4. Russische Truppen brachen bei Tschausowo und Altuchowo durch, die Division wurde eingeschlossen.

Die 268. Infanteriedivision kämpfte den Weg von Nedelnoje, wo der Tross des Divisionsstabes zusammengeschossen wurde, nach Süden frei. Am 31.12.1941 wurde Generalleutnant Schmidt zum Kommandierenden General des IX. Korps ernannt, Oberst Hahm übernahm die Division. Ein Ausweichen durch die Enge bei Nedelnoje wurde notwendig. Es wurden weitere Ausweichgefechte über Frolowo, Kondrowo nach Ostroshnoje geführt.

Am Heiligen Abend des Jahres 1941 zählte die Division 925 anstatt 5000 Mann Kampftruppe, 76 anstatt 500 Maschinengewehre! Dazu begann das neue Jahr mit einer Temperatur von -45 Grad Celsius. Die Division wurde mit einem 300 Mann starken Marschbataillon verstärkt, die Männer hatten allerdings keinerlei Bewaffnung. Zusätzlich unterstanden der 260. ID eine Kompanie SS und eine Sturmgeschützabteilung.

Die Soldaten der Division führten nun Abwehrgefechte beiderseits Ostroshnoje. Die Panzerjägerabteilung 559 mit 100 Soldaten wurde dem Infanterieregiment 470 unterstellt. Sowjetische Truppen griffen mehrmals täglich die Stellungen der Division an. Major Baur, Kommandeur Infanterieregiment 470, wurde mit Bauchschuss verwundet, Major Schütz übernahm das Kommando.

Am 26.01.1942 drangen sowjetische Kräfte (30 Mann) in Grebnewo ein. Diese wurden durch die letzte Divisionsreserve (1 Unteroffizier, 9 Soldaten, 1 MG sowie einige Melder des Infanterieregiments 470) vernichtet. Gemäß Befehl wurde die Stellung am 27.01.1942 geräumt.
Die Stärke des Infanterieregiments 470 betrug noch 105 Soldaten!

Ende Januar 1942 berichtet das Kriegstagebuch der 4. Armee: „Zwölf, bis aufs Äußerste geschwächte deutsche Divisionen und einige Sonderverbände behaupteten sich in schneidendem Wind, bei -30 Grad Kälte, von ihrem Nachschub abgeschnitten und fast von allen Seiten umstellt gegen 33 Schützendivisionen, 7 Schützenbrigaden, 6 Kavalleriedivisionen, 14 Panzerbrigaden und 14 Ski-Bataillone!“

Vom 28. Januar 1942 bis zum 06. März 1942 fand die Winterschlacht bei Juchnow statt. Die Männer richteten sich an der Ugra bei Kolychmanowo zur Verteidigung ein. Die sogenannte Ressa-Ugra-Stellung beiderseits Reljaki an der Rollbahn nach Juchnow wurde nun vorbereitet, dann folgte das Ausweichen in die neue Stellung. Die Gefechtsstärke am 24. Februar 1942 betrug noch 1.111 Soldaten.

07.März 1942 – 07. März 1943

Abwehrgefechte in der Winterstellung westlich von Juchnow, die Division hatte feste Winterstellungen an der Ressa und Ugra bezogen. Es fanden Spähtruppunternehmungen beider Seiten statt, Gefechtsaufklärungen sollten Gefangene einbringen. Starke Partisanenverbände, ca. 100 Kilometer westlich, bedrohten den Nachschub der Division, die Gefechtstrosse hatten durch Gefechte mit den Partisanen erhebliche Verluste.

Am 01. April 1942 war die Beförderung von Generalmajor Hahm. Am 01. Mai 1942 wurde die Division wird dem XII. Armeekorps unterstellt. Am 31. Mai 1942 erreichte ein Marschbataillon mit 1.000 Mann Ersatz die Division. Die Gefechtsstärke belief sich auf 5.000 Soldaten. Im Juli 1942 erhielt die Division weitere 1.250 Mann Ersatz. Das beliebte „Hörnle“ wurde als Divisionswappen abgelöst. Am 15. Oktober 1942 wurden die Infanterieregimenter 460, 470 und 480 in Grenadierregimenter 460, 470 und 480 umbenannt.

DAS JAHR 1943

Am 30. Januar 1943 wurde der Kommandeur, Generalmajor Hahm, zum Generalleutnant befördert. In den ersten 2 Monaten des Jahres 1943 verlor die Division 62 Tote, 227 Verwundete, 7 Vermisste und 495 Mann durch Krankheit.

Am 02. Februar 1943 kapitulierte die 6. Armee in Stalingrad, dieses Ereignis markiert die Wende des Krieges an der Ostfront.

DIE „BÜFFELBEWEGUNG“

Der März 1943 sollte für die Division ein bewegter Monat werden. Am 01. März um 18:00 Uhr begann die „Büffelbewegung“, d.h. das Planmäßige Räumen des von den Divisionen der 4. und 9. Armee bisher gehaltenen großen Sacks Spas-Demensk – Juchnow – Gshatsk – Rshew – Biely im Zuge der von Hitler angeordneten Frontverkürzung. Innerhalb von 2 Wochen sollten die dort eingesetzten Divisionen abschnittsweise in eine vorbereitete Stellung zurückgeführt werden. Mit dieser Frontverkürzung war die Schaffung einer Reserve von 20 Divisionen beabsichtigt.

Ab dem 07. März 1943 wurde die seit einem Jahr gehaltene Front aufgegeben, die Truppen wichen ständig kämpfend nach Westen in Richtung Jelnja aus. Feindkräfte stießen energisch nach, auf beiden Seiten waren hohe Verluste zu verzeichnen.

Die Begradigung der Front – endete nach 125 Kilometern am 18. März 1943 in der „Büffelstellung“ zwischen Buda und Djuki. Die neue HKL lag vor der Eisenbahnlinie Jelnja – Spas-Demensk, etwa 12 bis 15 Kilometer vor den Gleisen und war am 17. März 1943 voll besetzt. Am 18. März griffen russische Truppen mit starken Panzerkräften an. 50 Panzer brachen bis Genedilowo durch, 40 standen an der HKL.

19. März 1943 – 07. August 1943
Nach heftigen Gefechten in den ersten Tagen wurde die Büffelstellung ausgebaut. Die Front verlief in etwa von Kamenka -Wesselucha – Sslusna – Chotilowka – Taschtschilowo – Lasinki. Die gegnerischen Einheiten verhielten sich etwas ruhiger und bauen ebenfalls ihre Stellungen aus. Gefechtsaufklärung wurde durch beide Seiten ständig weiter betrieben. Die Einheiten im Frontabschnitt wurden wiederholt verschoben, der Divisionsgefechtsstand verlegte am 24. März 1943 nach Uspech. Den Frontalltag verbrachten die Soldaten meist mit Ausbildung. In den ersten Tagen in der Büffelstellung verschoss die Artillerie der Division 11.000 Schuss Munition.

Am 08. August begann eine sowjetische Großoffensive an der gesamten Ostfront. Die Division musste die Büffelstellung aufgeben und unter starken Verlusten ständig kämpfend ausweichen. Die neuen Stellungen wurden wie folgt bezeichnet:

  • Barbarossa-Stellung (bei Stary Nowiki)
  • Ssnopot-Stellung
  • Schuiza-Stellung
  • Desna-Stellung
  • Oster-Stellung

Der Zeitzeuge Hermann Knödler beschreibt die gegnerischen Soldaten: „Die russische Infanterie ist schlecht: 15-jährige und alte Männer, sie haben keine Gewehre, sind aber alle mit Maschinenpistolen ausgerüstet.“

Am 26. August 1943 wurde die Division im Wehrmachtsbericht erwähnt: „In den schweren Abwehrkämpfen südwestlich Wjasma haben sich die württembergisch-badische 260. Infanteriedivision und die bayrisch-ostmärkische 268. Infanteriedivision besonders ausgezeichnet.“

Nach heftiger Artillerievorbereitung waren am 07. August 1943 Feindkräfte bei der 268. Infanteriedivision auf 7 Kilometer Breite in die Hauptkampflinie eingebrochen und bedrohten die 260. Infanteriedivision in der Flanke. Eine beherrschende Höhe war bereits in sowjetischer Hand, die Straße nach Sslusna drohte abgeschnitten zu werden. Ein Offizier der Sturmgeschützabteilung 667Hauptmann Rudolf Zettler – erkannte die Gefahr, stieß in die Flanke des Gegners und eroberte die Höhe zurück. Bei diesem Gefecht wurden 29 russische Panzer abgeschossen. Hauptmann Zettler erhielt am 18. Oktober 1943, nachdem seine Abteilung in 4 Tagen 95 Panzer vernichtet hatte, als 2234. Soldat das Ritterkreuz.

Am 28. September überschritt die gesamte Division den Fluss Ssash. Nach Aufgabe der Oster-Stellung wurde im westlichen, rückwärtigen Raum mit extremen Marschbewegungen versucht das gesamte Material mitzuführen. Dabei wurden Kraftfahrzeuge und Pferde, oft im Pendelverkehr, bis auf das Äußerste beansprucht.

Am 01. Oktober wurde die Pronja bei Kusminitschi und Kononowka überschritten. Abschluss dieser Bewegungen war die Pronja-Stellung entlang der Pronja zwischen der Stadt Tschaussy und Asaritschi (23 km südlich). Durchbruchsversuche gegnerischer Truppen wurden in oft erbitterten Nahkämpfen mit wechselndem Erfolg gestoppt. Generalleutnant Hahm war wegen Krankheit im Urlaub (er kehrte nicht mehr zurück), er wurde durch Oberst Dr. Bracher vertreten.

Generalmajor Schlüter übernahm am 09. November 1943 die Führung der Division. Nachdem sich die Lage etwas beruhigt hatte, wurden die Stellungen ausgebaut. Der Divisionsstab befand sich zunächst in Ussuscheck, später in Dubrowka. Das rückwärtige Gebiet schloss die Ortschaften Stary Bishow und Mogilew ein. Das Weihnachtsfest und der Jahreswechsel wurden ohne größere Störungen durch gegnerische Truppen verbracht.

DAS JAHR 1944

Im Januar und Februar 1944 blieb es weiterhin ruhig, so dass sich die Division mit Neuaufstellungen und Ausbildung befassen konnte. Es wurde sich jedoch im Stellungskampf weiterhin abgetastet. Das vorher aufgeriebene Grenadierregiment 470 wurde Ende Januar wieder aufgestellt.

01. März 1944 – 20. Mai 1944
Die Division wechselte den Abschnitt mit der 31. Infanteriedivision und wurde damit rechter Flügel der 4. Armee und an der Nahtstelle zur 9. Armee in unübersichtliche Waldstellungen eingesetzt. Der Gefechtsstand befand sich in Judino. Neben dem Ausbau der Hauptkampflinie wurden weiterhin erfolgreich Stoßtrupps eingesetzt. Das Tauwetter setzte ein und macht größere Bewegungen unmöglich.

Der Kommandeur der Division, Generalmajor Schlüter, wurde auf der Fahrt in den Heimaturlaub am 21. April durch Partisanen schwer verwundet und verlor einen Arm. Sein Nachfolger wurde Generalmajor Klammt am 10.Mai 1944.

21.Mai 1944 – 24. Juni 1944
Die Division verlegte per Eisenbahntransport in den Raum Orscha – Gorki – Mogilew im Austausch gegen die 56. Infanteriedivision. Der Stab befand sich jetzt im Süden von Schischewo, später in Krassulino-Jurowka. Entlang der Hauptkampflinie war jetzt das XXVII Armeekorps eingesetzt. Es bestand aus: 110. Infanteriedivision – 260. Infanteriedivision – 25. Panzergrenadierdivision – 78. Sturmdivision.

Das Infanterieregiment 480 wurde der 78. Sturmdivision, die beiderseits der Rollbahn eingesetzt war, unterstellt. In dieser Stellung verteidigte die Division bis zum 26. Juni 1944.

Am 20. Juni 1944 hatte die Division noch eine Stärke von 2.554 Soldaten. Die Breite des Abschnittes, den die Division verteidigen muss beträgt 32 Kilometer (das bedeutet auf einen Kilometer Front stehen 80 Soldaten!!!)

Fatale Fehleinschätzungen der sowjetischen Operationsabsichten führten dazu, dass die deutschen Kräfte hoffnungslos unterlegen waren. Da man im Führerhauptquartier noch immer glaubte das im Mittelabschnitt nur ein Scheinangriff erfolgen sollte, wurden bedeutende Teile der Heeresgruppe verlegt. So wurde z.B. Ende Mai 1944 auf Befehl des Oberkommandos des Heeres das LVI. Panterkorps an die Heeresgruppe Nordukraine abgegeben. Damit verlor die Heeresgruppe Mitte 88 % ihrer Panzer, etwa die Hälfte ihrer Jagdpanzer, 23 % der Sturmgeschütze und ein Drittel der Heeresartillerie!

ZUSAMMENBRUCH DER HEERESGRUPPE MITTE

Am 22. Juni 1944 begann die Operation „Bagration“, die sowjetischen Großoffensive. Nach mehrstündigem Artilleriefeuer traten die 4 Armeegruppen mit Panzern und Schlachtfliegern an und überrollten die deutschen Verteidiger. Der Angriff gegen das 27. Armeekorps, dem die Division nun angehört begann am 23. Juni um 08:00 Uhr, zunächst bei der 78. Sturmdivision und der 25. Panzergrenadierdivision.

Die sowjetischen Angriffsfronten gliedern sich folgendermaßen:

  • 1. Baltische Front (Der Begriff „Front“ bezeichnet hier etwa vergleichbar die „Heeresgruppe“ auf deutscher Seite) mit ihrem Oberbefehlshaber Armeegeneral Bagramjan. Dazu gehörten die 4. Stoß-Armee, die 6. Garde-Armee und die 43. Armee mit 8 Schützen-Korps, 24 Schützen-Divisionen. Weiterhin das I. Panzer-Korps (258 Panzer und Selbstfahrlafetten) als „Bewegliche Gruppe der Front“
  • 3. Belorussische Front unter dem Oberbefehlshaber: Generaloberst Tschernjachowskij mit 39. Armee, 5. Armee und 31. Armee  (gegenüber der 260. ID bei Beginn „Bagration“). Diese Einheiten verfügten über 11 Schützen-Korps, 33 Schützen-Divisionen. Dazu kam die 11. Garde-Armee mit II. Garde-Panzer-Korps (252 Panzer und Selbstfahrlafetten) als „Bewegliche Gruppe der Armee“, die Kavallerie-Mechanisierte Gruppe unter General Oslikowski, (III. Garde-Kavallerie-Korps, III. Garde-Mechanisiertes Korps, 322 Panzer und Selbstfahrlafetten als „Bewegliche Gruppe der Front“) und die 5. Garde-Panzer-Armee (III. Garde-Panzer-Korps, XXIX. Panzerkorps, 524 Panzer und Selbstfahrlafetten), zunächst als Reserve des Hauptquartiers, später „Bewegliche Gruppe der Front“
  • Die 2. Belorussische Front unter Generaloberst Sacharow bestand aus 33. Armee, 49. Armee und 50. Armee mit 7 Schützen-Korps, 22 Schützen-Divisionen. Dazu kam eine zusammengestellte „Bewegliche Gruppe der Front“ (108 Panzer und Selbstfahrlafetten)
  • 1. Belorussische Front unter dem Kommando des Oberbefehlshabers Armeegeneral Rokossowski mit der 3. Armee mit IX. Panzer-Korps als „Bewegliche Gruppe der Armee“ (251 Panzer und Selbstfahrlafetten), der 48. Armee, der 65. Armee mit I. Garde-Panzer-Korps als „Bewegliche Gruppe der Armee“ (252 Panzer und Selbstfahrlafetten) und der  28. Armee mit insgesamt 13 Schützen-Korps, 39 Schützen-Divisionen. Dazu kam die Kavallerie-Mechanisierte Gruppe, kommandiert von General Plijew, (IV. Garde-Kavallerie-Korps, I. Mechanisiertes Korps, 321 Panzer und Selbstfahrlafetten als „Bewegliche Gruppe der Front“)

Die Nachbardivisionen der 260. Infanteriedivision (25. PzGrenDiv und 78. StuDiv) waren am 25. Juni 1944 bereits zerschlagen und von der ungeheuren Übermacht des Gegners zurückgedrängt. Nach sowjetischen Angaben verfügten die 4 angetretenen Armeegruppen am 20. Juni 1944 über:

  • 166 Divisionen, davon 6 Kavalleriedivisionen, von denen 124 am ersten Angriff teilnahmen
  • 9 Schützenbrigaden und mehrere befestigte Räume
  • 31.000 Geschütze ab Kaliber 7,6 cm
  •  5.200 Panzer und Selbstfahrlafetten
  •  6.000 Flugzeuge (gegliedert in 5 Luftwaffen-Armeen)
  • weitere 1.000 Langstreckenflugzeuge, die die Offensive aus dem Süden Russlands unterstützten

In den Bereichen wo man Durchbrüche erzielen wollte, betrug die Überlegenheit der russischen Truppen 3:1 an Truppen, 8:1 an Geschützen, 10:1 an Panzern sowie 4:1 an Flugzeugen.

Die Front der Heeresgruppe brach am 25. 06.1944 vollständig zusammen. Die 4. Armee gab an diesem Tag die „Festen Plätze“ Orscha und Mogilew, die nicht mehr zu halten waren, auf.

Der neue Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, Generalfeldmarschall Model setzte sich über alle „Haltebefehle“ des irren „GRÖFAZ“ hinweg und nahm die Front weiter zurück. Es erfolgte ein Ausweichen über mehrere Stellungen hinter den Dnjepr infolge schwerster Gefechte.

Die Masse der Division überschritt den Dnjepr bei Kopys und Kopistza am 26. Juni auf einer Kriegsbrücke. Dort verteidigte die Division bis zum 27. Juni 1944 gegen starke gegnerische Panzerkräfte die aus Richtung Orscha nach Süden und Westen angriffen.

Große Teile der 260. Infanteriedivision rasteten am Vormittag des 28. Juni in einem Waldstück ostwärts Kamenka. Nach dem Sammeln der Verbände begann gegen 14:00 Uhr der Weitermarsch. Das I. Bataillon, Infanterieregiment 460 unter Führung von Major Vincon bildete die Vorhut. Bereits nach kurzer Zeit erhielt das Bataillon aus Richtung Braschtschino starkes Feuer. Damit war klar, das sich sowjetische Truppen jetzt auch von Süden her an den Marschweg der Division herangeschoben hatten.

Das I. Bataillon des Grenadierregimentes 460 griff aus der Bewegung heraus mit Unterstützung von fünf Sturmgeschützen und drei Selbstfahrlafetten Braschtschino an und nahm den Ort. Der Gegner wehrte sich verzweifelt, konnte aber trotzdem zwei Kilometer zurückgedrückt werden. Noch einmal wurden 50 Gefangene gemacht!

Dann ging es weiter! Kleinere russische Kampfgruppen versuchten immer von neuem, die Marschkolonnen zu zersprengen oder aufzuhalten. Einmal konnten die 7,5 cm Panzerabwehrkanonen im Direktbeschuss einen solchen Feindangriff abwehren. Als die Vorhut an Ramschino herankam, wurde sie von starkem Feuer niedergehalten.

Oberst Dr. Bracher eilte nach vorn. Er gliederte sein Regiment zum Angriff um. Das I. Bataillon rechts, das II. links, so stürmten die Grenadiere voran. Der Regimentskommandeur fuhr mit seinem Schwimmwagen an die Spitze. Das II. Bataillon des Grenadierregimentes 460 unter Hauptmann Kempke griff Ramschino frontal an. Die Männer blieben am Ortsrand liegen. Dagegen hatte das I. Bataillon mehr Erfolg: es führte den Angriff umfassend und kam bis Mitternacht an den Bachgrund bei Achimkowitschi. Gleichzeitig schützten Kampfgruppen des Grenadierregimentes 199 nach Norden und konnten teilweise die Rollbahn südostwärts Krugloje erreichen und vorübergehend in Besitz nehmen. Oberst Dr. Friker wurde dabei verwundet.

Das I. Bataillon des Grenadierregimentes 460, das bereits auf Behelfsstegen und Booten übergesetzt war, erhielt gegen 18:00 Uhr den Befehl, das Straßenkreuz sechs Kilometer nordwestlich Teterin zu besetzen und es für den Rückmarsch der Division offenzuhalten. Doch die Russen waren inzwischen so stark, dass es unmöglich war, diesen Befehl auszuführen. Nun wurde es deutlich, dass die Division ein zweites Mal eingekesselt war.

Die Division, die trotz aller Bemühungen ihrer Funker keine Verbindung mit der Armee erhielt und deshalb nicht mehr über die aktuelle Lage informiert war, kämpfte sich am 29. Juni an den Drut heran. Wieder war es das I. Bataillon des Grenadierregimentes 460 mit Major Vincon an der Spitze, das voraus über Olschanki nach Schupeni und von dort zum Fluss Drut durchstieß. Das Bataillon gewann die Straße Lichinitschi – Teterin und übernahm den Schutz nach Westen. Das nachfolgende II. Bataillon des Grenadierregimentes 460 drehte nach Norden ein, während Teile des Grenadierregimentes 470 nach Süden sicherten.

Doch es gab weit und breit keine Brücken. Sie waren von den Sowjets zerstört oder durch Teile der 110. Infanteriedivision gesprengt, die ihren Rückzug damit absichern wollten. Die Männer des Stettiner Pionierbataillons 653 gingen daran, so schnell wie möglich Behelfsbrücken zu erstellen. Die Arbeit litt vor allem am Mangel an Brückengerät, aber auch an der Disziplinlosigkeit der ankommenden, zusammengewürfelten Einheiten, von denen jede als erste über den Fluss wollte. Die 260. Infanteriedivision setzte überall Verkehrsregler ein, darunter u.a. Major Ostermeier, Kriegsgerichtsrat Jansen, Leutnant Rüppell und andere die sich zum Teil mit Gewalt durchsetzen mussten.

Hierbei sei noch an zwei Einheiten erinnert, die in den zurückliegenden Tagen Übermenschliches leisteten und von denen kaum ein Bericht spricht. Das waren die Männer der Nachrichtenabteilung 260, die sich ununterbrochen bemühten, durch Funk oder Fernsprecher Verbindung mit den vorgesetzten Dienststellen und Nachbarverbänden aufzunehmen. Sie flickten im größten Feuer Leitungen, verlegten Kabel und schufen so die Möglichkeit, dass die Division wenigsten einigermaßen ihre Kräfte führen konnte. Oberleutnant Dambach zeichnete sich hierbei besonders aus.

Auch nicht vergessen werden dürfen die Sanitäter. Für sie gab es weder bei Tag noch bei Nacht eine Ruhepause. Oberstabsarzt Dr. Hengstmann ließ sofort am steilen Westufer des Drut einen Verbandplatz und eine Verwundetensammelstelle einrichten, um wenigstens von hier noch mit den verbliebenen Panjewagen die Verwundeten in Sicherheit bringen zu können. Ihre Versorgung wurde zu einem der größten Probleme dieser Tage.

Russische Artillerie und Granatwerfer störten zeitweise den Brückenbau. Die Pioniere ließen sich aber nicht abhalten. Die Truppe begann, am Nachmittag über den Fluss zu gehen. Russische Schlachtflugzeuge versuchten den Übergang aufzuhalten. Sie erzielten Verluste und stifteten Verwirrung. Es entstand ein komplettes Durcheinander, das nur durch drastische Befehle beherzter Offiziere in Ordnung zu bringen war. Der Divisionsstab wurde durch einen Fliegerangriff zersprengt.

Am 30. Juni wurde der Kommandeur des XII. Armeekorps und stellvertretender Befehlshaber der 4. Armee, Generalleutnant Vincenz Müller, vom Oberbefehlshaber von Tippelskirch ermächtigt, alle notwendigen befehle für die 4. Armee zu geben, soweit keine verbindungen bestehen. Auftrag war es, in allgemeiner Richtung 50 – 60 Kilometer südlich von Minsk auszuweichen.

VERNICHTUNG DER DIVISION

In der Nacht vom 02. Juli 1944 sammelte sich die Division zum letzten Mal hinter der Beresina, die Gefechtsstärke lag bei knapp 2.000 Soldaten! Minsk war am 03. Juli 1944 in russischer Hand. Es folgten Rückzugsgefechte in einem sich bewegenden Kessel (gemeinsam mit den Resten der 78. Sturmdivision, 267. Infanteriedivision, 25. Panzergrenadierdivision und dem Infanterieregiment 199 „Regiment List“). Sowjetische Schlachtflieger attackierten von verschiedenen Seiten und aus der Luft.

Die Kommandeure hielten eine letzte Lagebesprechung in der Nähe von Tscherwen ab. Dazu hatte der Kommandeur des XXVII. Armeekorps (General Völckers) folgende, noch erreichbare, Kommandeure befohlen: Generalleutnant Hans Traut (78. Sturmdivision), Generalmajor Adolf Trowitz (57. Infanteriedivision), Generalleutnant Paul Schürmann (25. Panzergrenadierdivision) und Generalmajor Günther Klammt.

General Völckers erklärte, dass er sich entschlossen habe, sich zur Verteidigung einzurichten, da seit Tagen kein Ausbruchsversuch zum Erfolg geführt hatte. General Schürmann wollte wissen, ob deutsche Truppen unterwegs waren um den Kessel zu öffnen und die eigenen Teile zu befreien. Der Korpskommandeur entgegnete, es seien dafür keine Kräfte verfügbar. Der Kommandeur der 25. Panzergrenadierdivision bat darum, sich mit seiner Division durchzuschlagen, diese Bitte wurde jedoch von General Völckers abgelehnt, da er der Meinung war ein solcher Ausbruch führe zur vollständigen Vernichtung.

Irgendwann erfolgte doch ein Befehl zum Durchschlagen nach Westen nachdem die schweren Waffen gesprengt waren und weitere, verzweifelte Ausbruchsversuche erfolglos blieben.  Der damalige Obergefreite Robert Sand war Zeitzeuge dieser kopflosen Flucht. Er begegnete am 05. Juli 1944 – innerhalb des 7. Kessels – an einem Bach dem Divisionskommandeur Generalmajor Klammt. Sein Kübelwagen steckte im Schlamm fest. Dessen Befehl lautet: „Soldaten, ihr seid von eurem Fahneneid entbunden, schlagt euch in kleinen Gruppen durch nach Westen. Rette sich wer kann, viel Glück!“

Generalmajor Klammt geriet kurz darauf, ebenso wie der Obergefreite Robert Sand, in sowjetrussische Gefangenschaft (Anm. des Autors: Robert Sand wurde erst 1955 entlassen, er verstarb 2010).

Das Schicksal einer der tapfersten Divisionen vollzog sich zwischen dem 07. Juli und 09. Juli 1944 dort wo schon Napoleons Grande Armée im Jahr 1812 vernichtend geschlagen wurde. Die blutigen Verluste waren ohne Zahl, für Verwundete gab es keine Hoffnung. Das Ende war Chaos, Tod und Gefangenschaft.

Am 08. Juli richtete Generalleutnant Müller, der sich bereits den sowjetischen Truppen ergeben hatte, noch folgenden Aufruf an die Männer der 4. Armee:

„Soldaten! Unsere Lage ist nach wochenlangen schweren Kämpfen aussichtslos geworden. Wir haben unsere Pflicht erfüllt. Unsere Kampfkraft ist auf ein Minimum gesunken und es gibt keine Aussicht auf Versorgung. Der Weg über den nächsten Flussabschnitt ist uns versperrt. Wir haben riesige Zahlen von Verwundeten und Versprengten. Die Führung der russischen Streitkräfte hat zugesagt:

  • Fürsorge für alle Verwundeten
  • Offiziere dürfen Stichwaffen und Orden, Soldaten die Orden behalten

Gefordert wird:

  • Ausrüstung und Waffen sind zu sammeln und zu übergeben

Schluss mit dem aussichtslosen Blutvergießen! Ich befehle daher, dass ab sofort der Kampf eingestellt wird!“ Dieser Aufruf wurde als Flugblatt über dsen vermuteten Ansammlungen deutscher Truppen abgeworfen.

Der Kessel wurde 35 km ostwärts Minsk, nahe Tscherwen, durch sowjetische Truppen geräumt. Geschätzte 32 Divisionen (etwa 300.000 deutsche Soldaten) marschierten in die Gefangenschaft, so auch mein Großvater, der Stabsgefreite Michael Korn.

Auf dem Marsch spielten sich menschliche Tragödien ab. Hunderte von Soldaten starben infolge Schwäche, Verwundung und Ruhr. Nur wenigen gelang die kopflose Flucht, meist nachts und durch Partisanengebiet zu den deutschen Auffangstellungen.

Die Propaganda des Oberkommandos der Wehrmacht berichtete über diese Katastrophe, die weit größer war als die Niederlage in Stalingrad, nur lapidar:
„Im Mittelabschnitt der Ostfront hat sich die Abwehrschlacht in den Raum westlich der Landengen von Baranowice und Molodeczno verlagert. Beiderseits Baranowice setzen unsere Truppen den mit überlegenen Panzerkräften angreifenden Sowjets zähen Widerstand entgegen. Im Verlaufe hartnäckiger Kämpfe um Lida ging dieser Ort verloren.“

Nur wenige Soldaten schafften es, sich der sowjetischen Umklammerung zu entziehen.

Von der 4. Armee erreichten 80 Offiziere und 838 Mannschaften und Unteroffiziere bis Ende Oktober die deutschen Linien in Ostpreußen.

Die Überlebenden der 260. Infanteriedivision wurden in einer Divisionsgruppe 260 zusammengefasst und ab 25. Juli 1944 am Narew wieder eingesetzt. Dort hielten sie eine Stellung bis zum Beginn der Offensive in Richtung Ostpreußen bevor auch hier das Ende besiegelt wurde.

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