Russlandreise 2006

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Es geht los!

1. Tag
Am Morgen des 11. August bei untypischem, regnerischem Sommerwetter ging die Reise in Richtung Osteuropa los. Der komfortable Reisebus der Firma Biendl aus Straubing, gefahren von Herrn Alexander Dinner nahm die ersten Reiseteilnehmer in Gomaringen auf. Danach ging die Fahrt weiter zum Heim von Frau Else Helmle, dort wurden weitere Mitreisende und eine große Menge Hilfsgüter – Spielzeug, Kleidung, Kakao und vieles mehr – eingeladen.

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Unser Bus

Als alle Teilnehmer an Bord waren, ging es dann weiter in Richtung Osten. Auf der Raststätte Vogtland wurde zum ersten Mal eine längere Rast eingelegt. Herr Martin Mang servierte heiße Würstchen mit Brot und die Reisegesellschaft konnte sich einmal die Beine vertreten. Auf der Autobahn passierten wir dann Dresden, Bautzen und Görlitz. Der Besuch der Frauenkirche in Dresden wurde auf die Rückfahrt verschoben. Gegen 18:00 Uhr erreichten wir unser Hotel „Reichenbacher Hof“ in Reichenbach. Nach dem üppigen Abendessen, immerhin 3 Gänge, stellten sich die einzelnen Reiseteilnehmer vor und unsere „Reiseleitung“ ging nochmals auf die folgenden Tage und Vorhaben ein.
Am ersten Tag haben wir 709 Kilometer zurückgelegt.

2. Tag

Brotzeit!

Brotzeit!

Nach einem guten Frühstück zur Stärkung ging es bei sonnigem Wetter um 07:20 Uhr weiter in Richtung Polen. Wir überquerten nach kurzen Formalitäten die deutsch-polnische Grenze bei Zgorelec (Görlitz) um kurz nach acht Uhr. Nachdem wir uns durch das von Baustellen durchzogene Wroclaw (Breslau) geschlängelt hatten, legten wir gegen 12:00 Uhr unsere Mittagsrast ein. Fleischkäse, Suppe, Würstchen und Brot waren reichlich vorhanden, so dass jeder von uns bestens versorgt war. Kaffee und selbstgebackener Kuchen rundeten die Mahlzeit ab und gegen 12:30 Uhr setzten wir die Fahrt fort. Weiter ging der lange Weg in Richtung der polnischen Hauptstadt, von etlichen Großbaustellen gesäumt. Gegen 18:00 Uhr überquerten wir die Weichsel (Wisla) bei Gora

Die Weichsel

Die Weichsel

Kalwaria. Wir erreichten um 19:20 Uhr den Ort Siedlce. In der Nähe diesen, für die Geschichte der 260’er auch so markanten Ort, sollten wir unsere zweite Nacht verbringen. Ende Juni 1941 beendete die Division – aus Frankreich kommend – hier den Eisenbahntransport und begann den Marsch in Richtung Osten zu Fuß. Das Hotel „Hetman“ diente uns nach 619 Kilometern als Unterkunft.

Um 20:00 Uhr trafen wir uns zum Abendessen. Nach einem überreichlichen Mahl trat Herr Mang nach vorne und verlieh das silberne „Hörnle“ an Herrn Lothar Barth. Ein Glas Bier oder Wein rundeten den Tag ab.

3. Tag

Eine orthodoxe Kirche in Belarus

Eine orthodoxe Kirche in Belarus

Um 06:30 Uhr begann der Tag mit einem polnischen Frühstück, um 07:00 Uhr standen alle Reiseteilnehmer abfahrbereit vor dem Hotel. Die Fahrt führte ins etwa 85 Kilometer entfernte Teraspol, die Stadt die auch unter dem Namen Brest, früher Brest-Litowksk, bekannt ist. Die Grenzkontrolle auf polnischer Seit ging sehr zügig, auf belarussischer Seite dauerte es etwas länger. Trotzdem gingen die Grenzformalitäten an der östlichen Grenze der europäischen EU relativ flott von statten– nach knapp 2 Stunden konnten wir weiterfahren. Ein erster Tankstopp in der Republik Belarus führte uns die wirtschaftlichen Unterschied deutlich vor Augen: der Liter Diesel kostet 48 Euro-Cent. Außerdem stellten wir hier erstmal unsere Uhren eine Stunde vor.

Mit den Jugendlichen auf dem Soldatenfriedhof Berjosa

Mit den Jugendlichen auf dem Soldatenfriedhof Berjosa

Von einem Parkplatz nahe der Autobahn, der so genannten „Rollbahn“ winkten uns unsere belarussischen Begleiterinnen die uns beim Übersetzen der russischen Sprach hilfreich werden sollten. Wir nutzten die „Gunst der Stunde“ und legten auf diesem Parkplatz auch gleich unsere Mittagspause ein. Hier erläuterte uns Martin den Ausdruck „Fleischküchle“, im Rest der Republik sagt man auch Frikadellen dazu. Nachdem die ersten Gastgeschenke ausgetauscht waren und jeder gestärkt wieder an Bord war, setzten wir gegen 13:00 Uhr unsere Reise bei strahlendem Sonnenschein in Richtung des neuen deutschen Soldatenfriedhofs in Berjosa fort.

Dort angekommen erwarteten uns schon Jugendliche eines Freizeitcamps des Volksbunds deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die jungen Leute, Deutsche und Belarussen, in ihren gelben T-Shirts mit der Aufschrift „Arbeit für den Frieden“ in mehreren Sprachen begrüßten uns sehr herzlich. Nach kurzem Händeschütteln kamen sie schnell mit unseren beiden mitgereisten Kriegsteilnehmern ins Gespräch. Die jungen Männer und Frauen, Jungen und Mädchen lauschten sehr gespannt den zum Teil mahnenden Worte von Lothar Barth und Richard Guhl. Anschließend begaben wir uns zum zentralen Hochkreuz auf dem Friedhof. Hier in Berjosa sind mittlerweile 600 deutsche Soldaten würdig bestattet.

Der Kranz der 260. ID am Soldatenfriedhof Berjosa

Der Kranz der 260. ID am Soldatenfriedhof Berjosa

Herr Barth legte einen kleinen Kranz für die Gefallenen nieder und sprach dann einige Worte. Er forderte die jungen Menschen auf, ihre Arbeit fort zu setzen um damit ein Zeichen für den Frieden in der Welt zu setzen. Seine Worte wurden von unserer Dolmetscherin übersetzt. Bevor die Gruppe gemeinsam das „Vater unser“ betete, zitierte er den Text des Liedes „Ich hatt‘ einen Kameraden“. Viele Reiseteilnehmer und auch die jungen Leute verdrückten so manche Träne, es war ein sehr bewegender Moment.

Eindrücke aus Bobruisk

Eindrücke aus Bobruisk

Kurz darauf verabschiedeten wir uns und setzten unsere Reise in Richtung Bobruisk fort.
Die Reise hatte ihren ersten emotionalen Höhepunkt erreicht.
Gegen 20:30 Uhr hatten wir dann nach 534 Kilometern unser Hotel in Bobruisk erreicht. Nachdem einige Schwierigkeiten überwunden, Formalitäten erledigt und die Zimmer verteilt waren, fanden wir uns in einem etwa 600 Meter entfernten Restaurant ein, wo uns das Abendessen und einigen auch der erste echte Wodka auf belarussischem Boden serviert wurde. Nach dem Essen boten belarussische Künstler Musik dar die einige unserer Reiseteilnehmer zum Tanzen nutzten. Die Gruppe trennte sich und damit ging dann auch der 13. August 2006 zu Ende.

4.Tag

Mit dem Chefarzt der Klinik in Oktjaberski

Mit dem Chefarzt der Klinik in Oktjaberski

Am Morgen trafen wir uns um 08:00 Uhr. Nach einiger Wartezeit kam Alex mit dem Bus, entschuldigte sich für die Verspätung und erklärte uns dass der Bus Startprobleme hatte. Nachdem wir gefrühstückt hatten, ging es los in Richtung Oktjaberski um das dortige Kreiskrankenhaus zu besuchen. Unterwegs teilte Herr Mang an jeden Teilnehmer Schoka-Cola aus, die bekannte Schokolade die schon bei der Wehrmacht in der Marketenderware vorhanden war. An der Kreisgrenze erwartete uns Herr Anatolij Makhanko, der Landrat dieser Gegend. Nach herzlicher Begrüßung wies er uns den weiteren Weg. Im Krankenhaus angekommen, wurden wir vom Chefarzt der Klinik, Herrn Doktor Muljatschik, begrüßt. Eine große Zahl Hilfsgüter, unter anderem nagelneue OP-Ausrüstung, wurde ausgeladen und übergeben. Es wurde eine kurze Willkommens- und Dankesrede gehalten, anschließend wurden wir zum Mittagessen gebeten. Dort wurde auf mehrfach auf unsere Gesundheit angestoßen – natürlich traditionsgemäß mit 40%igem Wodka. Herr Bart, Herr Makhanko und Doktor Muljatschik hielten je eine kurze Rede in denen sie alle drei auf die Notwendigkeit der Freundschaft zwischen unseren Völkern und den Frieden in der Welt eindringlich hinwiesen.

Kranzniederlegung in Romanischtsche

Kranzniederlegung in Romanischtsche

Nachdem man uns herzlich verabschiedet hatte, begaben wir uns auf den Weg nach Romanischtsche, einem kleinen Bauerndorf welches auf kaum einer Landkarte zu finden ist. Hier fand während des deutschen Vormarsches der Wehrmacht durch die Sowjetunion ein blutiges Gefecht statt, während dessen die 260. Infanteriedivision erste Feindberührung hatte und über 100 Gefallene beklagen musste. Die Gebeine dieser Gefallenen liegen noch heute im sandigen Boden am Ortsrand auf einem sehr würdig hergerichteten Friedhof (Anmerkung des Verfassers: die Toten

Gespräche mit der Bevölkerung

Gespräche mit der Bevölkerung

wurden im Jahr 2009 nach Berjosa umgebettet). Die Reisegruppe wurde von der örtlichen Bevölkerung, Jung und Alt, herzlich begrüßt. Wir übergaben auch hier Geschenke, Spielzeug, Süßigkeiten und vieles mehr, was die Menschen dankbar annahmen. Nachdem wir einen kleinen Kranz und Blumen niedergelegt hatten, sprach Herr Barth erneut zu uns. Er erinnerte daran dass weder die jungen Soldaten der Wehrmacht, noch die Männer der Roten Armee sich hier treffen und gegenseitig ermorden wollten. Verbrecherische Regime in der Welt haben diese jungen Männer gezwungen, ihre Unschuld zu verwirken und zum Sterben verurteilt.

Die Kinder freuten sich!

Die Kinder freuten sich!

Wir beteten gemeinsam, ein Gänsehaut-Gefühl überkam jeden einzelnen von uns. Die Menschen in Romanischtsche versprachen uns, weiter für den Friedhof der 260. ID zu sorgen. Als wir abfahren wollten überraschte man uns mit der Tatsache dass wir die Schule in der Nähe besuchen sollen. Dort hatte Herr Barth vor einiger Zeit für neue Möbel gesorgt. Die Direktorin empfing uns und führte die Gruppe durch die Schule. So bekamen wir einen Eindruck davon, dass diese Hilfe sinnvoll ankommt. Kaum überraschen war für uns die reich gedeckte Tafel in der Schulkantine. Weißrussische Köstlichkeiten en masse und…Wodka!

Herr Barth eröffnete seine Dankesworte mit dem Satz: „Ich vermute hier wird Veteranen-Mästerei betrieben!“ Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite. Nachdem die Bürgermeistern, die Schuldirektorin und der Leiter der ehemaligen Kolchose ihre Freude über unseren Besuch ausgedrückt hatten, ließen wir es uns erneut gut schmecken.

In der Schule bei Romanischtsche

In der Schule bei Romanischtsche

Nach etwa 2 Stunden mussten wir uns verabschieden. Wir brachen auf in Richtung des ehemaligen Brückenkopfes über die Beresina bei Parici (Paritschi). Dort steht ein Mahnmal der Roten Armee zum Gedenken an die gefallenen Soldaten der Roten Armee. Hier fanden während des Krieges auch heftige Kämpfe mit vielen Opfern auf beiden Seiten statt. Auch an diesem Ehrenmal fand Herr Barth die richtigen einfühlsamen Worte, bevor wir einen

Das Ehrenmal für die russischen Gefallenen

Das Ehrenmal für die russischen Gefallenen

Kranz und Blumen zu Ehren der tapferen Rotarmisten niederlegten. Frau Helmle benetzte die Gräber, wie an jedem Friedhof, mit Weihwasser das sie extra aus Deutschland mitgebracht hatte. Die Gruppe ging dann zum Ufer der Beresina – dem Schicksalsfluss Napoleons, der deutschen Wehrmacht und auch der 260. Infanterieidivision – um einen Eindruck dieser so „geschichtsschwangeren“ Gegend zu bekommen.

An der Beresina

An der Beresina

Anschließend traten wir die Heimreise zurück nach Bobruisk an, wo schon wieder ein Abendessen auf uns warten sollte.
Nach dem Abendessen trafen sich noch einige der etwas jüngeren Reiseteilnehmer auf dem Platz vor dem Hotel um diesen bewegenden Tag bei einem Bier ausklingen zu lassen. Die gefahrene Strecke belief sich auf 217 Kilometer.

5. Tag
Um 06:45 Uhr trafen wir in der Hotellobby ein, kurz darauf verluden wir das Gepäck. Heute sollte uns die Fahrt in Richtung Mogilew führen. Wir überquerten nach kurzer Fahrt den mächtigen Fluss Dnjepr, für die Soldaten damals ein beinahe unüberwindbares Hindernis. Bei einem kurzen Halt pflückten einige Teilnehmer Wachtelweizen, eine herrliche Blume mit einer blauen Blüte oben, darunter gelbe Blüten mit grünem Stiel und Blattwerk. Ein herrliches Stück Natur.

Am Soldatenfriedhof der 260. ID in Kononowka

Am Soldatenfriedhof der 260. ID in Kononowka

Bald darauf stiegen wir um in einen gemieteten, geländegängigen Bus der uns zu den Divisionsfriedhöfen nach Kononowka und Kusminitschi bringen sollte.

Unsere Begleitung vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge – Frau Ludmilla – stieß hier auch wieder zu uns. Nach kurzer Fahrt durchs Gelände erreichten wir das Gräberfeld Kononowka. Der Friedhof mit Holzkreuz und Zaun befand sich in gutem Zustand, das Gras rundherum gemäht. Die ehemalige Kolchose in der Nähe war völlig zerfallen, trotzdem kümmerte sich jemand um diese kleine Gedenkstätte. Das schon bewährte Ritual nahm seinen Lauf: wir legten einen Kranz und Blumen nieder, sprachen gemeinsam das „Vater Unser“ und benetzten die Grabstätte mit geweihtem Wasser. Im Anschluss erzählte uns Herr Barth von seinen Erinnerungen; dass viele Soldaten eben nicht bestattet werden konnten sondern, nachdem sie jämmerlich verreckt waren, in den Gefechtsstreifen liegen bleiben mussten. Er selbst hatte nachts einen verwundeten Rotarmisten aus der Front geholt und zum Verbandplatz gebracht – es gab eben doch Menschlichkeit bei den Frontsoldaten – hüben wie drüben!

DAs Mütterchen vom Friedhof

Das Mütterchen vom Friedhof

Bevor wir fuhren, erschien ein altes Mütterchen – 97 Jahre alt! Sie erzählte uns mit Tränen in den Augen das die Schüler der nahe gelegenen Ortschaft sich heutzutage um die Gräber kümmern – ein schöner Trost für unsere Kriegsteilnehmer. Das Mütterchen wurde von uns zum Dank auch noch mit einigen Kleinigkeiten bedacht.

Wir fuhren anschließend weiter um den zweiten Friedhof zu besuchen. Trotz intensiver Suche konnten wir die Grabstätte in Kusminitschi nicht finden. Leider war Herr Alfons Härtl nicht bei uns, er konnte sich in den Jahren zuvor an die Orte erinnern. Nachdem wir die Suche aufgegeben hatten fuhren wir zur nahe gelegenen Schule die auch vom Kameradenhilfswerk mit Möbeln versorgt worden war. Dort überzeugte sich Herr Barth das diese Sachspende auch ordnungsgemäß angekommen ist. Wir anderen gingen zur Mittagspause über. Anschließend ging es weiter in Richtung Tschaussy und zum Friedhof Ssidorowischti.

Nachdem wir die Babutschka besucht hatten, die sich bisher um die Gräber kümmerte fuhren wir zum Friedhof. In der Nähe des neuen Friedhofs des Volksbundes, hat auch die 260. ID eine kleine Gedenkstätte. Dort tauschten wir das alte, verwitterte Kreuz gegen ein neues Holzkreuz aus, legten einen Kranz und Blumen nieder. Wir fuhren zufrieden weiter in der Gewissheit, den gefallenen Angehörigen der 260. ID ein würdiges Grab bereitet zu haben, so wie es ihnen in der Stunde ihres Todes versprochen war.

Das neue Kreutz in Ssiderowitschi

Das neue Kreutz in Ssiderowitschi

Unser nächstes Ziel war das Hotel Mogilew. Dort trafen wir Frau Galina, eine langjährige Freundin des Kameradenhilfswerkes. Sie fuhr mit uns in das nahe gelegene Kloster von Mogilew. Dort mussten unsere Damen ihre Köpfe und Beine verhüllen um Einlass zu erlangen. Die Oberin des Klosters empfing uns und führte uns in die prachtvoll gestaltete russisch-orthodoxe Kathedrale. Wir bestaunten eine große Anzahl einzigartiger Ikonen, z.B. eine besondere die den Zaren Nikolaus II. darstellt.

Nachdem wir die Opferstöcke bereichert und die Fotoapparate beinahe erschöpft hatten, sollte unser letzter Programmpunkt dieses Tages uns noch zum Friedhof des Volksbundes für 200 ehemalige deutsche Gefangene führen. Auch her legten wir im Gedenken an die Verstorbenen einen Kranz nieder und beteten das Gebet der Christen.

Nach dem Abendessen im Hotel ging dieser Tag der uns weitere 319 Kilometer durch Weißrussland geführt hatte zu Ende.

6.Tag
Um 07:30 trafen wir uns zum gemeinsamen Frühstück. Anschließend verluden wir das Gepäck um – bei bedecktem Himmel – unsere Reise gegen 08:30 Uhr in Richtung Smolensk in Russland fortzusetzen.

Am Friedhof in Wyssokoje

Am Friedhof in Wyssokoje

Vor der Einreise in das weißrussische Nachbarland besuchten wir den Divisionsfriedhof in Wyssokoje. Dort liegen etwa 200 Soldaten der 260.ID. Insgesamt sind im Umkreis der kleinen Gedenkstätte 7.000 Soldaten bestattet die bei den schweren Rückzugsgefechten am Orschakreuz ihr Leben lassen mussten. Hier ruhen die beiden Brüder von Frau Anna Gruber die innerhalb von 3 Tagen – einer der beiden war noch bei der Bestattung des anderen zugegen – gefallen sind. Auch der Vater von Herrn Pohlmann hat hier die letzte Ruhestätte gefunden. Der kleine Friedhof mit dem Kreuz der 260. ID und einem Kreuz der 78. Sturmdivision ist von den Schülern der nahe gelegenen Schule in hervorragendem Zustand gehalten worden. Die Bevölkerung kam natürlich umgehend zu uns und freute sich das die Reisegruppe des Kameradenhilfswerkes wieder einmal zu Gast ist. Kleine Geschenke – sie erhalten bekanntlich die Freundschaft – wechselten den Besitzer. Besonders Herr Martin Mang freute sich ein Mädchen wieder zu sehen, das er bereits bei früheren Besuchen kennen gelernt hatte. Man konnte sehen das hier erste zarte Bande geknüpft waren – warten wir ab was daraus wird…

In der vom KHW 260. ID unterstützten Schule

In der vom KHW 260. ID unterstützten Schule

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, begaben wir uns zur Schule von Wyssokoye, die ebenfalls Unterstützung des Kameradenhilfswerkes erfahren hatte. Die Schuldirektorin, Frau Nona begrüßte uns ganz herzlich. Und wie sollte es anders sein: die Tafel war reichlich gedeckt und Wodka als Willkommensgruß bereitgestellt. Wir speisten außerordentlich gut und die Wiedersehensfreude war ehrlich und herzlich. Nach der traurigen Verabschiedung fuhren wir über das Orschakreuz – die Autobahnkreuzung Minsk-Moskau – in Richtung der Gedenkstätte Katyn.

Die Überquerung der belarussisch-russischen Grenze gestaltete sich doch mühsamer als wir dies erwartet hatten. Versicherungen und weitere Grenzformalitäten zogen sich so in die Länge, das wir beinahe 2 Stunden an der Grenzübergangsstelle warten mussten bevor wir unsere Exkursion durch das russische Reich fortsetzen konnten. Zum zweiten Mal überquerten wir eine Zeitgrenze und stellten die Uhren eine weitere Stunde vor.

Die Gedenkstätte Katyn

Die Gedenkstätte Katyn

Gegen 17:50 Ortszeit erreichten wir die Gedenkstätte Katyn. Dort sind tausende polnischer Offiziere bestattet, die vom sowjetischen Geheimdienst 1940 ermordet wurden. Dieses Verbrechen hatte man lange der deutschen Wehrmacht zugeordnet, erst Michail Gorbatschow hat dafür Sorge getragen, dass die Wahrheit an die Öffentlichkeit kommt. Durch die Zeitverschiebung und die Grenzformalitäten fiel unser Besuch kürzer aus als geplant. Nach etwa 30 Minuten mussten wir diese sehr schön gestaltete Gedenkstätte schon wieder verlassen.

Deutscher Soldatenfriedhof Smolensk

Deutscher Soldatenfriedhof Smolensk

Unser nächstes Ziel war der deutsche Soldatenfriedhof des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge in Smolensk. Wir erreichten den Friedhof gegen 18:40 Uhr und besichtigten diese relativ junge Gedenkstätte für etwa 20 Minuten. Die Anlage ist sehr schön hergerichtet, das zentrale Monument mit dem Hochkreuz und die tafeln mit den vielen eingravierten Namen haben Einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Auch hier legten wir einen kleinen Kranz nieder. Der Eindruck wurde von Jugendlichen etwas getrübt die mit einem Moped quer durch die Anlage fuhren.

Die Himmelfahrtskathedrale in Smolensk

Die Himmelfahrtskathedrale in Smolensk

Von hier ging es zum letzten Punkt des heutigen Reiseabschnitts, der Himmelfahrtskathedrale in Smolensk. Dort angekommen waren wir bereits vom Äußeren diese gewaltigen Bauwerkes sehr beeindruckt. Innen sollte unser Staunen noch erheblich verstärkt werden, denn diese Kirche sucht Ihresgleichen. Gold verziert und mit einer großen Menge Ikonen geschmückt stellt dieses Bauwerk der russisch-orthodoxen Kirche sicher einen Glaubensmittelpunkt dar. Wir hatten sogar Gelegenheit einer Messe beizuwohnen.

Im Anschluss an die etwa halbstündige Besichtigung fuhren wir zum Abendessen in unsere Unterkunft für diese Nacht, das Hotel „Russia“ im Zentrum von Smolensk. Heute waren wir insgesamt 220 Kilometer unterwegs.

7. Tag

Der festgefahrene LKW wird geborgen

Der festgefahrene LKW wird geborgen

Wir nahmen unser Frühstück bereits um 06:45 Uhr ein, denn es sollte ein langer Tag mit vielen Programmpunkten werden. Bereits um 07:30 Uhr waren wir wieder „on the road“ in Richtung Spas-Demensk und Kaluga. Unsere Fahrt geriet aufgrund einiger Orientierungsschwierigkeiten ein wenig ins Stocken. Die Strasse wurde zum Weg, der Weg wurde zum Treck und dann stießen wir auf einen 40-Tonner-LKW der sich etwa 25 Kilometer vor Spas-Demensk in einem Schlammloch festgefahren hatte. Einige russische Männer waren bereits mit einem Kran mit den Bergearbeiten – allerdings ohne Erfolg – beschäftigt. Für uns war kein Durchkommen! Was tun? Glücklicherweise kam kurz darauf ein Raupenschlepper angefahren. Obwohl das Fahrzeug etliche Jahre auf dem Buckel zu haben schien – schätzungsweise in den 50’er Jahren gebaut – waren Fahrer und Helfer zuversichtlich den LKW bergen zu können. Kurz darauf war das Kettenfahrzeug in Stellung gebracht und versuchte eine erste Befreiung, aber der Lastwagen rührte sich kaum. Kurzerhand wurde auch noch der Kranwagen vor den Raupenschlepper gehängt und mit vereinten Kräften wurde das mit Gipsplatten schwer beladene Fahrzeug frei geschleppt. Später erfuhren wir, dass das Fahrzeug bereits 3 Tage hier festgesteckt hatte.

Kranzniederlegung am Denkmal der Roten Armee

Kranzniederlegung am Denkmal der Roten Armee

Nach kurzer Mittagspause – unser Zeitplan war mittlerweile völlig aus den Fugen – erreichten wir die Kreisstadt Spas-Demensk wo wir von Herrn Anatoli, seiner Mitarbeiterin Tatjana, unserem Dolmetscher Boris und Iwan – einem Veteranen der Roten Armee – herzlich begrüßt wurden. Hier wurden uns auch von jungen Männern 3 Erkennungsmarken der Wehrmacht samt Fundprotokoll ausgehändigt. Es wurde uns bestätigt, dass die Gebeine wieder ordnungsgemäß bestattet und der Fundort sorgfältig notiert wurde. Damit wurden wieder 3 Schicksale geklärt und vielleicht können 3 Familien in Deutschland den Frieden finden, dass ihre Angehörigen anständig bestattet wurden (Anm. des Verfassers: Die WASt bestätigte kurz nach Rückkehr, dass die Familien benachrichtigt wurden).

Ehemalige Kriegsgegner reichen sich die Hand

Ehemalige Kriegsgegner reichen sich die Hand

Anschließend gingen wir zur Gedenkplatte der 260. ID die an der Bibliothek angebracht ist. Dort mahnten Herr Barth und Herr Anatoli zum Frieden zwischen unseren Völkern. Weiter führte uns der Weg zum neu erbauten Waisenhaus von Spas-Demensk. Dort luden wir eine Menge Spielzeug und sonstige Hilfsgüter aus. Die Direktorin freute sich sehr über unseren Besuch und führte uns durch das Haus. Leider hatten wir wenig Zeit, nach 20 Minuten mussten wir zum nächsten Programmpunkt. Wir fuhren zum Ehrenmal für die Gefallenen der Sowjetarmee im Zentrum der Stadt. Auch dort legten wir einen Kranz nieder. Herr Anatoli erläuterte uns, dass in der Nähe eine „Allee der Helden“ am 13. August eröffnet worden war. Wir schauten uns das Monument kurz an und fuhren dann weiter zur Schule nach Pawlinowo.

An der "Allee der Helden" in Spas-Demensk

An der „Allee der Helden“ in Spas-Demensk

Diese Schule hatte auch Schulmöbel erhalten. Wie nicht anders zu erwarten, war hier die Tafel reichlich für uns gedeckt. Die Direktorin und die Bürgermeisterin des Ortes hatten uns empfangen, es wurden Worte der Freundschaft gewechselt und Wodka getrunken. Herr Barth sprach in einer kurze Ansprache seinen langjährigen Freund und ehemaligen Kriegsgegner an: „Iwan mein Freund, wenn du in diesem irrsinnigen Krieg jemals auf mich geschossen hast, habe ich es dir längst verziehen – wenn ich auf dich geschossen haben sollte, bitte ich dich hiermit aufrichtig um Vergebung!“ Man hätte es kaum besser formulieren können.

Herr Anatoli appellierte auch nochmals an die jüngeren Generationen, lobte unsere Freundschaft und wies auf eines hin: „Ein „schlechter Frieden“ ist allemal besser als ein „guter Krieg“!!!

Nachdem wir die russische Gastfreundschaft ausgiebig genossen hatten, mussten wir leider viel zu früh gehen, denn bis nach Kaluga lagen etwa noch 3 Stunden Fahrt vor uns. Nachdem wir uns von den Menschen in Pawlinowo verabschiedet hatten, fuhren wir noch auf dem russischen Soldatenfriedhof in Spas-Demensk vorbei um auch dort den Gefallenen unsere Ehre zu erweisen. Gegen 19:30 Uhr – später als geplant – traten wir die Fahrt nach Kaluga an. Dieser Tag führte uns 476 Kilometer durch die Weiten Russlands.

8. Tag
Um 08:00 Uhr – nachdem wir gut gefrühstückt hatten, fuhren wir los um auf den schwer zu erreichenden Friedhof in Charinki zu erreichen. Da das Gelände dort sehr sumpfig ist und es in den vergangenen Tagen doch erheblich geregnet hatte, konnte es sein das sich unsere Hoffnungen zerschlagen würden, den Friedhof letztmalig zu besuchen. Ein Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge begleitete uns.

Unser "Geländetruck" in Charinki

Unser „Geländetruck“ in Charinki

Der geländegängige LKW – vermutlich ein ehemaliges Gefechtsstandsfahrzeug der sowjetrussischen Armee – erwartete uns bereits in der Nähe der Abzweigung am Kilometer 221 der Strasse Bobruisk – Moskau. Nachdem wir unser Werkzeug umgeladen hatten, stiegen wir in das betagte Fahrzeug ein und rumpelten los. Nach kurzer Zeit bogen wir auf einen Waldweg ein, der sich recht schnell in eine Schlammpiste verwandelte. Ein paar mal schien es, als wollte der russische Boden uns die Weiterfahrt verweigern aber Sergej, unser Fahrer, steuerte sein Gefährt absolut gekonnt durch alle Hindernisse. Nach etwa 20 Minuten Fahrt auf einer Buckelpiste durch Urwald erreichten wir eine Lichtung. Boris, unser Reisebegleiter, war der Meinung dass der Friedhof hier in der Nähe sein müsse. Wir schwärmten aus um zu suchen. Sicherlich hat der eine oder andere en Stoßgebet gesprochen dass wir doch die Grabstätte des Bruders von Frau Seyfried finden mögen. Und tatsächlich – nach kurzer Zeit rief Boris uns zu sich. Er hatte das von einem etwas zerfallenen Holzzaun umrandete Kreuz gefunden. Die Gedenkstätte in der Nähe des ehemaligen Hauptverbandplatzes stellte sich sehr zugewuchert dar. Wir säuberten den Bereich innerhalb des Zaunes vom Wildwuchs und legten dort Reisigzweige zum Schutz ab. Fritz Doppelmeier hatte seine Motorsäge mitgebracht und sorgte für etwas mehr Lichteinfall.

Am Friedhof von Charinki

Am Friedhof von Charinki

Nachdem wir die Arbeiten abgeschlossen hatten, sprach Herr Barth ein Gebet mit uns und wir legten auch hier zum Gedenken an die Gefallenen einen Kranz der ehemaligen 260’er nieder. Frau Seyfried hatte einen herrlichen Kranz aus Trockenblumen für ihren Bruder mitgebracht. Sie war sichtlich froh und erleichtert dass sie noch einmal hier herkommen durfte. Wir traten – von unzähligen Pferdebremsen geplagt – dann die Rückfahrt an. Die 500 Meter im kaum belüfteten LKW von Sergej dienten uns als kostenlose Sauna!

Veteran Richrd Guhl erinnert sich an die Ressa-Stellung

Veteran Richrd Guhl erinnert sich an die Ressa-Stellung

Am Parkplatz hatte unser Fahrer Alex bereits Borscht für uns zubereitet – eine russische Spezialität! Alle langen mit großem Appetit kräftig zu. Einige nutzten die Gelegenheit sich die Ressa-Stellung anzuschauen, die nur 300 Meter entfernt war. Man konnte noch die Auflage der damals gesprengten Brücke über die Ressa sehen und sogar einige Stellungen der Infanteristen der Regimenter der 260.Infanteriedivision waren noch zu erahnen.

Frisch gestärkt führte uns unser Weg noch einmal nach Spas-Demensk um die Friedhöfe zu besuchen, die wir am Tag zuvor nicht erreicht hatten. Die Grabstätten bei Wnegoschtschy, Nowyj Strebki, Cholmowaja und Shdanowo-Süd wurden von uns im Geländebus, den wir in Spas-Demensk bestiegen hatten nacheinander angesteuert.

Nowyje Strebki

Nowyje Strebki

Wnegoschtschy

Wnegoschtschy

Cholmowaja

Cholmowaja

Shdanovo-Süd

Shdanovo-Süd

Unsere Freunde – Iwan, der ehemalige Feldwebel der Roten Armee, Frau Tatjana von der Administration der Stadt und das Gräbersuchteam der Stadt – begleiteten uns. Wir legten jeweils einen Kranz bei den hervorragend gepflegten Gräberanlagen nieder und sprachen auch hier ein Gebet für die Kriegstoten aller Nationen. So konnten die gestern aufgrund der unvorhersehbaren Ereignisse ausgefallenen Besuche der Gefallenengräber doch noch nachgeholt und unser etwas in „Schieflage“ geratener Zeitplan „begradigt“ werden. Martin Mang und ich selbst fuhren mit den jungen Männern des Gräbersuchtrupps in ihrem Fahrzeug undefinierbarer Marke und kaum schätzbarem Alter zum Dorf Uspech. Dort befand sich im Mai 1943 der Gefechtsstand der Division und mein Großvater ging hier für den damaligen Divisionskommandeur, Generalleutnant Hahm, auf die Jagd. Auf dem Weg dorthin hatten wir Gelegenheit die prachtvolle Natur in dieser herrlichen Umgebung zu bewundert.

Uspech

Uspech

Mein Großvater schrieb auf die Rückseite eines der Fotos aus dieser Gegend den Satz: „Auf Jagd im Sowjetparadies“. Jetzt begreife ich was er damals damit gemeint hat. Leider ist der Ort bis auf ein paar Häuser im vergangenen Jahr niedergebrannt. Wir fanden 3 verlassene Blockhäuser und eine Art Sauna vor, die – so die Aussage unserer russischen Freunde – ganz sicher von Deutschen errichtet worden sei. Zur persönlichen Erinnerung nahm ich von diesem Ort, an dem mein Großvater mit Bestimmtheit gewesen ist, einen schönen Stein als Souvenir mit. Nachdem wir alle nach Spas-Demensk zurückgekehrt waren, begaben wir uns auf die Rückreise nach Kaluga.

Kaluga

Kaluga

Die Reise konnte natürlich nicht ohne eine obligatorische Polizeikontrolle ablaufen. Alexander versichert uns nicht zu schnell gewesen zu sein, aber jeglicher Versuch einer Diskussion war zwecklos – 15 Euro und eine Halbe Kiste Bier wechselten den Besitzer. Kurz vor dem Stadtrand von Kaluga stand erneut eine Streife. Der Beamte erkannte im allerletzten Moment das D-Zeichen auf dem Nummernschild und winkte uns rechts ran. Diesmal blieb es dabei, die Papiere zu kontrollieren. Wir durften sofort weiterfahren. Um 21:00 Uhr erreichten wir nach 423 Kilometern unser Hotel. Das schmackhafte Abendessen und ein Spaziergang über die Prachtstrasse von Kaluga rundeten diesen emotionsgeladenen achten Tag ab.

9. Tag

Markthalle in Kaluga

Markthalle in Kaluga

Der von einigen Reiseteilnehmern herbeigesehnte Ruhetag brach erst mit einem etwas späteren Frühstück um 08:30 Uhr an. Nach dem Frühstück hatten wir noch Gelegenheit die nähere Umgebung des Hotels zu erkunden. Einige Reiseteilnehmer besuchten den Markt in Kaluga auf dem frisches Gemüse, Früchte, Kleidung und dies und das feilgeboten wurden.

Um 10:30 Uhr brachen wir zu einer Stadtrundfahrt durch Juri Gagarins Heimatstadt auf. Nachdem wir ein paar Euros in Rubel getauscht hatten, hielten wir zunächst am alten Theater an. Dort erklärte Boris ein wenig die Geschichte dieser alten Handelsstadt. Anschließend fuhren wir zum ältesten Park der Stadt. Dort ist der Wissenschaftler Konstantin Zarkovsky bestattet. Man nennt ihn auch „Vater der Kosmonauten. Hinter dem Park befindet sich das Weltraummuseum der Stadt. Dort steht die Ersatzrakete Gagarins, die er im Falle eines technischen Defekts hätte besteigen sollten.

Gagrins Ersatzrakete

Gagrins Ersatzrakete

Nach dieser Besichtigung fuhren wir in den alten Teil Kalugas. Wir hielten zunächst an der herrlichen Georgskirche, die völlig restauriert wurde. Anschließend fuhren wir weiter zur Kirche der heiligen Dreifaltigkeit im alten Amtsbezirk des Kaluga-Distrikts. Diese Kirche ist ebenfalls herrlich anzuschauen. Am alten Marktplatz machten wir Halt um eine Kaffeepause einzulegen. Dort sangen wir für Jochen Sebald ein Ständchen, denn er hatte an diesem Tage Geburtstag. Wir setzten die Fahrt vorbei am ehemaligen Leninplatz mit dem Denkmal Lenins. Die alten Jugendstilgebäude waren sehr beeindruckend.

Der Siegesplatz

Der Siegesplatz

Nächster Halt war ein Spezialitätengeschäft. Dort war alles erhältlich was das Herz des Russland-Touristen begehrt. Wodka, Kaviar, Schokolade und vieles mehr fand reichlich Absatz bei einigen Teilnehmern der Reisegruppe. Weiter ging es über den Siegesplatz – hier steht eine 30 Meter hohe Säule mit einer Frau darauf die ein Sputnik und eine silbernes Band als Zeichen für den Fluss Oka in den Händen hält – zu einem kleinen aber feinen Souvenirladen. Ob Matroschka – die Püppchen im Püppchen – oder Teetassen, es gab auch hier viel zu sehen und zu kaufen.

Unser Reiseführer Boris

Unser Reiseführer Boris

Nachdem man ein paar Blümchen gekauft hatte, fuhr die Gruppe zu Frau Galina, einer langjährigen Freundin des Kameradenhilfswerks. Sie hatte uns am Vortag eingeladen. Ihr Tisch war mit Hühnchen, Kartoffeln, gefüllten Paprika, Nudelsuppe und vielem mehr reichhaltig gedeckt. Nachdem sie uns beinahe gemästet hatte, mussten wir uns verabschieden was sie sichtlich traurig stimmte. Zurück im Hotel hatten alle etwas Zeit für sich persönlich.

Kirche der heiligen Dreifaltigkeit

Kirche der heiligen Dreifaltigkeit

Nach dem Abendessen, das ab 19:00 Uhr für uns bereit stand, spazierte ein Großteil unserer Reisegruppe zum Theaterplatz nahe dem Hotel. Ab 22:00 Uhr sollte uns dort am Brunnen ein Wasser- und Lichtspektakel geboten werden, wie wir es nicht erwartet hatten. Wechselnd bunte Beleuchtung und spielerische Fontänen zu klassischer Musik – ein herrliches Schauspiel. Die Jugend von Kaluga, der Stadt die vor über 60 Jahren schwere Kämpfe um den Brückenkopf über die Oka erlebte, versammelte sich hier friedlich vereint – und wir mittendrin!

Gegen 22:30 Uhr war das Vergnügen zu Ende, wir gingen zurück zum Hotel und zu Bett. Ein etwas weniger anstrengender Tag ging zu Ende, die gefahrenen Kilometer beliefen sich auf vergleichsweise wenige 13!

10. Tag
Ab 07:30 Uhr erwartete uns unser Frühstück. Die Fahrtstrecke sollte uns heute weiter in Richtung der russischen Hauptstadt führen. Um 08:15 Uhr fuhren wir los um auf unserem Weg noch 2 Friedhöfe zu besuchen. Nachdem es in der letzten Nacht erstmals ein Gewitter gegeben hat, zeigt sich die Umgebung erstmals während der Reise nebelig und trüb.

Brückenkopfmuseum Kremenki

Brückenkopfmuseum Kremenki

In Wyssokinici ließen wir Herrn Thomas Distler und Herrn Jochen Sebald zurück. Sie suchten dort das Gräberfeld und den Hauptverbandplatz wo der Onkel von Herrn Distler verstorben und beerdigt ist. Wir anderen fuhren weiter nach Kremenki. In dieser Stadt an der Protwa fanden in den Jahren 1941 und 1942 heftige Gefechte statt, da der Fluss das letzte natürliche Hindernis auf dem Weg der Wehrmacht nach Moskau darstellte. In der Nähe des Brückenkopfmuseums tauschten wir unseren Bus gegen einen geländegängigen russischen Bus ein. Wir fuhren in Richtung Jekaterinovka weiter und begrüßten auch dort eine Babutschka, die sich noch gut an die Besucher au Deutschland erinnern konnte. Weiter ging die Fahrt um das Gräberfeld zu finden das 1994 von russischen Bauarbeitern gefunden und dem Volksbund gemeldet wurde. Nach einiger Zeit der Suche im Dickicht hatte ich das Glück, durch Zufall den Zaun zu sehen, der das alte Kreuz umgab. Wir stellten dort, wo unbekannte Soldaten ruhen, ein neues Kreuz aus Aluminium auf. Die gefundenen Reste eines deutschen Stahlhelms, zweier Handgranaten und einer Kartusche verblieben, von unsern Blumen und unserem Kranz zugedeckt, am Kreuz.

Das Gräberfeld bei Jekaterinovka

Das Gräberfeld bei Jekaterinovka

Nachdem wieder alle an Bord des Russenbusses waren, fuhren wir zum russischen Ehrenmal. Auch hier legten wir einen Kranz zum Zeichen unseres Respekts vor den Gefallenen nieder. Ganz in der Nähe befand sich der Gedenkstein der 268. Infanteriedivision, die als Nachbar der „Hörnledivision“ hier im Gefecht stand. Von dort fuhren wir zurück zum Ausgangspunkt, wo wir unsere Mittagspause verbrachten.

Als alle wieder gestärkt waren fuhren wir nach Gosteschewo. Hier ist der Großonkel von Martin Mang bestattet. Die zerfallene Kirche ist schon von weitem zu sehen. Diese Gedenkstätte der 260. Infanteriedivision ist in einem jämmerlichen Zustand. Wie bereits in den Jahren zuvor, kümmerte sich offensichtlich niemand um die Gräberstätte. Völlig zugewuchert war der Stein kaum sichtbar, nur das Kreuz war als Fingerzeig weithin zu sehen. Nachdem ein Kranz am Kreuz angebracht war entfernten wir ein wenig das Unkraut um den Friedhof herum. Mittlerweile waren einige russische Frauen erschienen und beobachteten unser Treiben. Nachdem wie Blumen niedergelegt, gebetet und die Stätte mit Weihwasser besprenkelt hatten, ließen wir Martin Mang noch einige Minuten alleine.

Die alte Kirche bei Gostechevo

Die alte Kirche bei Gostechevo

Herr Barth hatte die Frauen mit Hilfe unseres Dolmetschers auf dem schlechten Zustand der Gräber hingewiesen. Die Frauen waren sichtbar beschämt und versprachen für die zukünftige Pflege zu sorgen.

Etwas zufriedener fuhren wir an die Protwa um die Überreste der einstigen Schwabenbrücke zu suchen. Nach einiger Zeit konnten wir die Metallteile des einstigen Übergangs entdecken. Auf dem Rückweg nahmen wir unsere beiden Sucher wieder auf. Sie waren sehr zufrieden, denn sie hatten gefunden nach was sie gesucht hatten. Danach ging es dann in Richtung Moskau weiter. Etwa 50 Kilometer vor den Toren begann sich der Verkehr zu stauen. Die Moskowiter kehrten am Wochenende nach Hause zurück.

Die Reste der Schwabenbrücke

Die Reste der Schwabenbrücke

Interessant war aus unserer Sicht die Flexibilität der Verkehrsteilnehmer: wenn es auf den normalen Spuren nicht voran geht, werden eben neue gebildet. Als wir den Stadtring Moskaus erreicht hatten, sahen wir bereits die beeindruckenden Wohnanlagen der Millionenstadt.

Boris gab uns bereits auf der Fahrt zum Hotel „Ukraina“ viele Informationen über die Stadt. Vorbei an der berühmten Universität mit dem höchsten Turm der Stadt erreichten wir unsere Unterkunft gegen 20:00 Uhr.

Unser Hotel Ukraina

Unser Hotel Ukraina

Nach einem guten Abendessen und 289 gefahrenen Kilometern ging der 10. Tag in der russischen Hauptstadt zu Ende. Einige Reiseteilnehmer nutzen die Gelegenheit um noch einige Fotos von Moskau bei Nacht zu machen.

11. Tag
Der erste Tag der zweiten Reisewoche begann mit dem Frühstück um 07:30 Uhr. Um 08:30 Uhr verließen wir unser schönes Hotel um mit der Stadtrundfahrt durch Moskau zu beginnen.
Die Fahrt führte uns zunächst – wie sollte es anders sein – zum Roten Platz. Vorbei an der gewaltigen Kremlmauer steuerten wir den wohl bekanntesten Ort Russlands zielstrebig an. Gut das wir Boris als Führer dabei hatten! Wir waren sehr zeitig vor Ort, der erste Bus auf dem Parkplatz war unserer.

Die Basilius-Kathedrale

Die Basilius-Kathedrale

Wir spazierten über den damaligen Landeplatz des Mathias Rust und vorbei an der berühmten Mariä-Hilf-Kathedrale mit den vielen bunten Zwiebeltürmen zum Leninmausoleum. Dort nutzte Boris die Gelegenheit uns die Geschichte des Ortes etwas näher zu erklären. Er zeigte uns den Amtssitz des russischen Präsidenten, erläuterte die Kreml-Türme – vor allem den mächtigen Erlöser-Turm mit der großen Turmuhr – und das staatliche historische Museum.

Nachdem wir viele Fotos gemacht und reichlich Informationen erhalten hatten, setzten wir unsere Besichtigung fort. Wir fuhren zur Christi-Erlöser-Kirche, die von Stalin zerstört und in den 90’er Jahren wiederaufgebaut worden war. Leider war die Kirche geschlossen und wir konnten nicht die Pracht im Inneren betrachten.

Der Verfasser auf dem Roten Platz

Der Verfasser auf dem Roten Platz

Einige Teilnehmer der Reisegruppe wollten gern die U-Bahn in Moskau sehen. Boris nahm einige von uns mit und wir fuhren einige Stationen. Die unterirdischen Stationen sind außerordentlich gut gepflegt und sauber. Hinzukommt eine prachtvolle Ausstattung mit Kronleuchtern und Marmor.

Mit etwas Verspätung fuhren wir danach auf die Sperlingsberge über den Dächern der Stadt. Hier hat man einen herrlichen Blick über die Altstadt. Wir nutzten die Gelegenheit um hier auch den Flohmarkt mit den vielen Souvenirständen zu besuchen.

Das Olympiastadion Luschniki - Heimat von Spartak Moskau

Das Olympiastadion Luschniki – Heimat von Spartak Moskau

Nach 30 Minuten bestiegen wir den Bus und begaben uns auf die Weiterfahrt heraus aus der Stadt. Gegen 13:00 Uhr verließen wir diese imposante Stadt in Richtung Bryansk, der nächsten Station unserer Reise. Nach langer Fahrt und etlichen Polizeikontrollen – unser Kennzeichen scheint eine gewisse Magie auszuüben – kamen wir gegen 20:00 Uhr im Hotel „Bryansk“ an. Machte es von außen noch einen zufrieden stellenden Eindruck, stellte sich schnell heraus dass man in diesem Haus vom mitteleuropäischen Standart eher weit entfernt ist. Heute waren wir lange 414 Kilometer gefahren. Gegen 22:00 Uhr verließen die meisten Reiseteilnehmer das Restaurant wo wir zu Abend gegessen hatten und gingen zu Bett.

12. Tag

Jatsewo

Jatsewo

Wieder nahmen wir unser Frühstück um 07:30 ein, damit wir um 08:00 Uhr rollen konnten. Eine lange Fahrt lag vor uns. Der heutige Reisetag sollte uns aus Russland heraus hinein in die Ukraine führen. Gegen 08:15 Uhr waren wir komplett und verließen Bryansk. Wirklich traurig schien niemand zu sein. Unser Tagesziel war die Stadt Tschernigow. Um 13:30 erreichten wir die russisch-ukrainische Grenze. Noch waren wir hoffnungsvoll zügig abgefertigt zu werden, aber nachdem jeder einzeln in einem Büro abgefertigt wurde, zog es sich – allein die Ausreise dauerte 1 ½ Stunden. Als wir dachten es könnte kaum schlimmer werden da wir in ein Land ohne Visumspflicht für EU-Bürger einreisen wollten wurden wir eines Besseren belehrt. Zum Glück hatten wir unseren Fahrer Alexander dabei, der die Landessprache beherrschte. Er wurde von „Hinz“ zu „Kunz“ geschickt, hier ein Formular, da ein Stempel…ohne ihn wären wir wohl vollends aufgeschmissen gewesen. Nach weiteren 2 Stunden waren hier die „Formalitäten“ die eher wie Schikane anmuteten erledigt und wir konnten die Fahrt fortsetzen.

Da wir die Zeit wieder um eine Stunde zurückstellen konnten, hatten wir weniger Zeit verloren als angenommen und der Zufall wollte es wohl das wir ohne zu Suchen nach Jatsewo fanden. Hier liegen viele Gefallene des III. Bataillons des Infanterieregimentes 480 begraben. Leider existiert keine Grabstätte, hier wurde eine Strasse und vor kurzem eine Tankstelle errichtet. Trotzdem hielten wir kurz an um Fotos dieses Platzes zu machen.

Der Kriegsgefangenenfriedhof in Tschernigow

Der Kriegsgefangenenfriedhof in Tschernigow

Bei einem Besuch beim Bürgermeister der Stadt vor einigen Jahren hatte man sich – ohne Ergebnis – erkundigt was mit den toten Soldaten werden solle. Dabei wurde man auf einen Kriegsgefangenenfriedhof in Tschernigow aufmerksam gemacht. Da wir früh dran waren, entschlossen wir uns noch heute dorthin zu fahren. Nach einigem Suchen und mehrmaligem Nachfragen durch Alexander, kamen wir an ein Biathlon-Leistungszentrum. Einige der Teilnehmer früherer Fahrten erinnerten sich das es hier sein müsse. Der Direktor der Sportstätte half uns den Platz zu finden und begleitete uns dort hin. Die von der Stadt Tschernigow 1998 angelegte und gepflegte Grabstätte machte einen wohl gepflegten und sauberen Eindruck der uns alle positiv überraschte. Wir legten einen Kranz nieder und sprachen ein Gebet.

Anschließend fuhren wir in unser Hotel, ein Haus deutlich besser wie das vorherige! Um 21:00 Uhr versammelten wir uns zum Abendessen und anschließend war auch der 12. Tag zu Ende. Heute war unser Alexander 377 Kilometer gefahren.

13. Tag

Russisches Ehrenmal in Tschernigow

Russisches Ehrenmal in Tschernigow

Der heutige Tag konnte sehr entspannt beginnen, denn wir hatten reichlich Zeit bevor wir später nach Kiew aufbrachen. Wir frühstückten wie bereits gewohnt um 07:30 Uhr und fuhren um 08:15 ab. Unsere Reiseführerin Jelena trafen wir am Hotel. Sie führte uns durch ihre über 1000 Jahre alte Heimatstadt Tschernigow. Wir stiegen am alten Park der Stadt aus um ein wenig spazieren zu gehen. Auf dem Weg lag die Kathedrale der heiligen Dreifaltigkeit. Dort hatten wir die Möglichkeit einen Gottesdienst zu beobachten.

Im Anschluss begaben wir uns, vorbei an einer Sammlung alter Kanonen, zum historischen Museum der Stadt. Dort konnten wir – wenn auch im Schnelldurchgang – die Ausstellungen ansehen.

Im historischen Museum der Stadt

Im historischen Museum der Stadt

Nachdem wir das Museum verlassen hatten fuhren wir nach Stolnia. Dort wollten wir ein weiteres Grab eines Bruders von Frau Anna Gruber suchen. Leider waren wir nicht erfolgreich. Auch der Priester des Ortes konnte uns nicht weiterhelfen. Zwischenzeitlich begann es satt zu regnen so das wir unseren Weg fortsetzten.

Wir fuhren nun nach Wibli, einem kleinen Örtchen das während des Krieges für die 260. Infanteriedivision zu trauriger Berühmtheit kann. Hier bildeten deutsche Verbände gegen hartnäckigen Widerstand einen Brückenkopf über den Fluss Desna. Wehrmacht und Rote Armee hatte hier enorme Verluste zu beklagen. Als wir dieses winzige Nest verließen ging es weiter nach Pesky um die dortige Schule zu besuchen. Leider hatte man uns dort nicht erwartet und die Menschen waren einigermaßen von unserem Kommen überrascht. Trotzdem waren Sie hocherfreut und nahmen die mitgebrachten Schulsachen und Süßigkeiten gerne an. Wir konnten leider nicht sehr lange bleiben, denn wir mussten noch bis Kiew fahren.

Herzlicher Empfang in Peski

Herzlicher Empfang in Peski

Nach einer kurzen Mittagspause – wie üblich mit schmackhaften Würstchen, Gurken und frischem ukrainischem Brot – fuhren wir dann weiter in die Hauptstadt des Landes. Wir erreichten Kiew, die beeindruckende Metropole an der Desna, gegen 18:00 Uhr. Wir hatten Gelegenheit die St.Michaels-Kathedrale zu bestaunen. Bei einer Stadtrundfahrt am Tage vor dem Fest zur Unabhängigkeit der Ukraine konnten wir sehen, dass dieses Land gen Westen strebt. Das Moderne mit dem Alten war sehr schön vereinbart.

Kiew - Hauptstadt der Ukraine

Kiew – Hauptstadt der Ukraine

Gegen 20:00 Uhr erreichten wir unser Hotel „Lybid“, das bisher vornehmste Haus auf unserer Reise, benannt nach der Schwester der Großfürsten Kiy, Schek und Khoriv welche die Stadt Kiew im 5. Jahrhundert gründeten. Alex stellte den Bus, den er heute 312 Kilometer bewegt hatte vor dem Hotel ab während die Reisegruppe sich bereits das 4-Gänge Menü munden lies. Einige schauten sich noch die Stadt an, während andere sich zurückzogen oder den Tag bei einem Bier oder Wein ausklingen ließen.

14. Tag
Wie schon gewohnt frühstückten wir – es wurde ein tolles Frühstücksbuffet serviert – um 07:30 Uhr. Nachdem alle sich wieder im Bus eingefunden hatten konnten wir gegen 08:20 Uhr in Richtung Lviv (Lemberg) abfahren. Die lange Fahrt über Shitomir bot wenige Höhepunkte.

Die ausgedehnten Kornfelder – die auch von der gelben Farbe auf der ukrainischen Nationalfahne neben Blau für den dem endlos blauen Himmel dargestellt symbolisiert werden – zogen sich über viele Kilometer hin. Unterwegs kaufte einige Reiseteilnehmer bei einer „Babutschka“ Kartoffeln, Gurken, Knoblauch und Pflaumen die diese entlang der Strasse feilbot. Die Oma war sichtlich erfreut so viele Kryvna – die ukrainische Währung die den Rubel abgelöst hat – in ein paar Minuten verdient zu haben. Wir waren positiv überrascht dass mittlerweile die Straßen nach Shitomir deutlich besser ausgebaut waren als bei der letzten Reise.

Wir kamen außerordentlich gut voran. Das führte dazu, dass wir bereits gegen 17:00 Uhr unser Hotel „Dnister“ – ein gutes Hotel der Mittelklasse – erreichten. Das bot uns Gelegenheit die Stadt in der überall Festivitäten stattfanden zu entdecken. 537 Kilometer Fahrt hatten uns hierher geführt. Nachdem der eine oder andere einen Spaziergang durch die belebte Stadt gemacht hatte, trafen wir uns um 19:00 Uhr zu einem beinahe feudalen Abendessen. Damit endete die 2. Woche der Reise.

15. Tag
Der heutige Reisetag sollte uns zurück in die Europäische Union führen. Wir frühstückten um 07:30 Uhr und waren um 08:10 Uhr auf der Strasse in Richtung Heimat. Kurz vor der Grenze wurde das letzte ukrainische Geld in einem kleinen Laden nahe einer Tankstelle in Wodka und Krimsekt verwandelt. Kurz darauf erreichten wir die „heimische“ Zeitzone und konnten unsere Uhren wiederum eine Stunde zurück stellen. Bei Przemysl erreichten wir um 09:00 Uhr die ukrainisch-polnische Grenze.

Unsere Hoffnungen dass ein zügiger Grenzübertritt möglich wäre, zerschlugen sich als wir die kilometerlangen Schlangen vor dem ukrainischen Grenzübergang sahen. Es dauerte eine Stunde bis wir auf dieser Seite abgefertigt worden waren. Auf der polnischen Seite – der Ostgrenze der EU – war es auch nicht besser. Die polnischen Grenzbeamten arbeiten auch nicht gerade im Akkord und es dauerte weitere 2 Stunden bis wir weiterfahren konnten. Gegen 18:30 Uhr und nach etlichen Baustellen – in diesem Land geht es offensichtlich aufwärts – erreichten wir die Stadt Krakau.

Das „Apis“ Hotel war ein gutes 3-Sterne Hotel das keine Wünsche offen lies. Leider begann es kurz darauf zu regnen so dass an einen Stadtspaziergang nicht zu denken war. Also ließen wir uns das Abendessen gut schmecken und den Abend ausklingen. Am 15. Tag hatten wir 335 Kilometer Strecke zurückgelegt.

16. Tag
Am 16. Tag verließen wir die schöne Stadt an der Weichsel und brachen – nach dem Frühstück selbstverständlich – um 08:15 Uhr auf in Richtung Deutschland auf. Die Fahrt führte uns bei schönem sonnigem Wetter durch Schlesien und über die Oderebene, vorbei an Gliwice (Gleiwitz), Kattowice (Kattowitz) und Opole (Oppeln).

Über die A4 in Richtung Wroclaw (Breslau), eine der modernsten Autobahnen in Europa ging es weiter in Richtung Westen. Beinahe pünktlich um 12:30 Uhr zu Beginne unserer Mittagspause begann es zu regnen. Glücklicherweise nicht sehr lange, so konnten wir unsere Würstchen und Fertigsuppen dann doch im Freien genießen. In Boleslawiec (Bunzlau), der Künstlerstadt machten wir Halt um den Reiseteilnehmern die Gelegenheit zu geben, etwas von der berühmten Bunzlauer Keramik zu kaufen. 45 Minuten genügten unserer Gruppe um reichlich der weiß-blauen Schätze zu erwerben.

Weiter der Grenze entgegen trafen wir eine Gruppe Händler die Honig und Pilze sowie Gartenzwerge und sonstigen „Kitsch“ verkauften Auch hier musste unser Bus selbstverständlich einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Bei dieser Gelegenheit entdeckte ich einen polnisch-sowjetischen Soldatenfriedhof den ich selbst – während die anderen einkauften – entdecken ging.

Kurz darauf ging es zügig der Grenze entgegen. Standen wir zunächst hinter Bussen mit russischen Reisenden an, kam kurz darauf ein Bundespolizist zu uns, checkte kurz den russischen Pass von Frau Wiedemann und weiter ging die „wilde Fahrt“. Kurz hinter der Grenze begegnete uns schon die Abfahrt nach Reichenbach wo unser bewährtes Hotel „Reichenbacher Hof“ uns erwartete. Wir nutzten die Gelegenheit hier das obligatorische Gruppenbild zu machen. Anschließend wurden die Zimmer verteilt und bereits um 19:45 Uhr wurden wir zum Abendessen gebeten. Nach der Suppe bedankte sich unser Reiseführer, Herr Barth, bei allen in der Hoffnung, dass alle Erwartungen an die Reise erfüllt sind. Besonders hob er Alexander, unseren Fahrer und zeitweise auch Dolmetscher, hervor der uns gut und sicher chauffiert hat. Weiterhin lobte er Fritz Doppelmeier, der uns täglich bewirtete und auch immer mit den Koffern half. Zu guter letzt dankte er Martin Mang der alle mit Getränken versorgte und dessen Sprüche für viel Heiterkeit sorgten.

Martin hatte noch die Aufgabe vor sich, die Getränke abzurechnen, die er aber problemlos meisterte. Anschließend löste sich die Gruppe auf, erstes Heimweh schien sich breit zu machen. Heute hatten wir 455 Kilometer zurückgelegt.

17. und letzter Tag
Auch heute – es war bereits gute Tradition geworden – frühstückten wir um 07:30 Uhr. Um kurz nach 08:00 Uhr brachen wir zur letzten Etappe auf. Alle waren sichtlich froh dass es nach so langer Zeit wieder nach Hause ging. Der Himmel zeigte sich bewölkt aber es war trocken – beste Bedingungen!

Lothar Barth bedankte sich nochmals und sprach – wie auch Richard Guhl – mit Wehmut davon, dass sie nun mit großer Wahrscheinlichkeit die Ruhestätten ihrer gefallenen Kameraden nie mehr wieder sehen werden.

Wie jeden Tag der Reise gab uns Rudi Hepper die Losung des Tages mit auf unseren Weiseweg.
Die Fahrt führte uns von Reichenbach über Bautzen, Dresden, Chemnitz, Hof bis hin nach Klein-Schwarzenlohe. Dort stiegen gegen 13:30 Uhr die ersten Reiseteilnehmer aus. Wir fuhren weiter bis zur Raststätte Frankenhöhe. Hier verließ uns Herr Karl Häfele. Nächster Halt war Möglingen wo ich selbst ausstieg. Mit mir verließen Familie Schmid, Frau Helmle und Frau Seyfried den Bus. Bis hierhin waren heute 505 Kilometer gefahren. Bis Gomaringen, der Schlusshaltestelle sind es noch 73 Kilometer. Die Reise belief sich damit auf insgesamt 6827 Kilometer Fahrtstrecke!!! DANKE ALEX!

Mein persönliches Fazit: Eine tolle, einzigartige Reise auf den Spuren der ehemaligen 260. Infanteriedivision in deren Kampfräumen. Mir ist aufgefallen, dass die Menschen in den Ländern, die Deutschland während des zweiten Weltkriegs angegriffen hat, entspannter mit der deutschen Geschichte umgehen als wir selbst. Als ich sah, wie herzlich die Veteranen – Lothar Barth und Richard Guhl auf deutscher Seite und Iwan auf russischer Seite – miteinander umgehen, schien es mir als würden viele Spannungen künstlich aufrechterhalten. Man darf keineswegs die begangenen Verbrechen des 2. Weltkrieges, gleich welcher Seite, vergessen! Vielleicht sollte man aber damit aufhören Schuld gegenseitig aufzurechnen.

Die Menschen aller am Krieg beteiligten Nationen müssen einfach dafür Sorge tragen, dass nie wieder solch ein unvorstellbares Leid geschieht und vor allem das verbrecherische Regime nie wieder an die Macht kommen dürfen.

Ich hoffe irgendwann einmal wiederkehren zu können um nach den Gräbern zu schauen und die lieb gewonnenen Menschen in Belarus, Russland, Polen und der Ukraine mit ihrer Herzlichkeit und Gastfreundschaft wieder zu sehen.

Ich danke dem Kameradenhilfswerk der ehemaligen 260. Infanteriedivision e.V. für die Organisation der Reise und das ich mitfahren durfte.
Thomas Korn
Mannheim, den 27. August 2006

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2 Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr Römmelt,
    herzlichen Dank für Ihre Worte – ein Ansporn mit der Arbeit weiter zu machen!
    T.K.

  2. Wolfgang Römmelt

    Sehr geehrter Herr Korn,
    erst jetzt, 10 Jahre nach Veröffentlichung Ihres Reiseberichts zu Stationen der 260. ID, fand ich diesen bebilderten Text, dessen Lektüre mich doch sehr bewegt hat. Seit vielen Jahren /Jahrzehnten besitze ich das Buch von Werner Haupt „Die 260. Infanterie-Division 1939 – 1944“ aus dem Podzun – Verlag, Bad Nauheim.
    Nun konnte ich eine Vielzahl von Orten und die damit verbundenen Kampfhandlungen des Buches mit den von der Reisegruppe besuchten Friedhöfen verbinden. Für mich ist es tröstlich, dass die meisten Friedhöfe zumindest im Jahre 2006 in gepflegtem Zustand waren. Vielen Dank für diese Reisebeschreibung!

    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Römmelt

    P.S.: Mein Vater hat den den Krieg – dem Himmel sei Dank – ohne Schaden überstanden.

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